Exkursion in die Ybbstaler Alpen / Niederösterreich

Am Montag, den 19. Juni 2017 starteten 18 Teilnehmer zur Jahresexkursion der ANW von Brandenburg über Tschechien nach Niederösterreich in die Ybbstaler Alpen. Nach 10-stündiger Busfahrt kamen wir dann ohne Probleme im sehr angenehmen Landhotel Zellerhof in Lunz am See an.

Lunzer See
Über die vier Exkursionstage berichten in der Folge verschiedene Autoren.

Wildnisgebiet Dürrenstein mit Urwald Rothwald
Am ersten Exkursionstag ging es in das Wildnisgebiet Dürrenstein mit der echten Wildnis „Rothwald“. Beim Forsthaud Langau erwartete uns unser Exkursionsführer Reinhard Pekny, um uns mit unserem Reisebus in das wild-romantische Oistal auf dem Weg zum Wildnisgebiet Dürrenstein und zum „Rothwald“ zu führen. Im Oistal wurde früher Flößerei betrieben und so konnten wir im tief eingeschnittenen Tal noch eine Reihe von Klausen, also Staustufen zum Transport der Stämme, beobachten. Unser Brandenburger Busfahrer erbrachte auf der schmalen Forststraße und ihren engen Kurven wahre Meisterleistungen und so sparten wir uns einen langen Anmarschweg und konnten in das Herz des Wildnisgebietes vordringen.

Auf der ersten Station, den ehemaligen Jagdhaus Langböden der Fam. Rothschild erklärte uns Reinhard Pekny die aktuelle Situation. Das Wildnisgebiet Dürrenstein umfasst ca. 23.700 ha und ist von der IUCN als Wildnis anerkannt und wurde 2017 zum UNESCO-Weltnaturerbe erhoben. Es ist primär ein Waldnaturschutzgebiet, reicht aber in Teilen über die Waldgrenze hinaus.
Ein Teil und der Kern dieses Wildnisgebietes ist der „Rothwald“, ein echter Urwald von ca. 500 ha, in welchem nie ein forstlicher Nutzen stattfand.

Dürrenstein – Massiv

Vor der Kulisse des Dürrenstein-Massivs und dem im Tal dazwischen liegenden „Rothwald“ erzählte uns Reinhard Pekny engagiert und anschaulich die Geschichte des „Rothwaldes“.Es war spannend zu hören, wie es durch Streiterein von Klöstern, Finanzproblemen von Investoren und dann der Naturliebe eines Baron Rothschild zu der heutigen, besonderen Situation kam.

Endstation im Berg

Zum Rundgang im „Rothwald“: Auf dem etwa einstündigen Rundgang waren sehr alte Tannen von etwa 60m Höhe zu sehen. Besonders beeindruckend war allerdings die unfassbar lange Umsetzungszeit von starkem Totholz unter den klimatischen Bedingen im Gebirge. Wenn ich mich richtig erinnere, lag dort eine umgefallene Fichte , die ihren letzten grünen Zweig etwa 1930 verloren hat, dann lange Jahrzehnte stand und auch jetzt, zwar umgefallen, immer noch als starker Stamm zu sehen ist.

„Ewiger“ Stamm

Besichtigt haben wir dann auch noch eine „Hirschwiese“, eine Freifläche, auf der sich das Rotwild gerne aufhält. Hier entspann sich natürlich eine rege und zum Teil auch kontroverse Diskussion zum Einfluss des Rotwildes auf das Ökosystem. Unser Führer Reinhard Pekny war der Ansicht, dass auch das Rotwild zum Ökosystem gehöre und nicht reguliert werden müsste. Dahinter steckt ja die auch bei uns bekannte Problematik, dass es für solche Flächen keine Ziele gibt. Wir waren der Ansicht, dass so kein Bergmischwald mehr entstehen könne. Auffällig war nämlich, dass es keine jungen Tannen gab.

Am interessantesten fand ich die Informationen rund um einen alten Ameisenhaufen. Herr Pekny konnte so anschaulich über die wichtige Rolle der Ameisen im Wald berichten, wie ich es lange nicht mehr gehört habe. Er erklärte u.a. auch, wie die Ameisen Informationen sammeln und weitergeben und welche wofür wichtig sind. Auch zu den Wechselwirkungen mit anderen Arten gab es erstaunliche Dinge zu hören.

Nach der der wieder abenteuerlichen Busfahrt das Oistal hinab, die Enden des Busses schwebten immer wieder über einem Abgrund, ließen wir den Tag bei lebhaften Gesprächen über die Erlebnisse ausklingen.

Dietrich Mehl/Jürgen Rosemund

Revier Langau der Rothschild’schen Fortverwaltung
Leitung Forstmeister Johannes Doppler

Der zweite Exkursionstag führte unsere Landesgruppe in das Revier Langau, welches zum Forstbetrieb der Familie von Rothschild gehört. Geführt wurden wir vom Leiter der Forstverwaltung, Herrn Johannes Doppler.

Johannes Doppler

Der Forstbetrieb Langau befindet sich seit 1875 im Besitz der Familie Rothschild. Die Familie Rothschild hat schon früh Wert auf eine schonende und auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Forstwirtschaft gelegt. Ebenso wurde in vorbildlicher Weise für die Waldarbeiter gesorgt. Es gab bzw. gibt eine Pensionskasse, Wohnhäuser, ein zentrales Lebensmitteldepot, wo Mitarbeiter Lebensmittel zu Selbstkostenpreisen erhielten.
Der Forstbetrieb Langau ist also nicht nur aus waldbaulicher sondern auch aus sozialer Sicht bemerkenswert.

Der besuchte Betriebsteil hat eine Größe von ca. 4000 ha Wirtschaftswald in der technologischen Kategorie „Leichtes Seilkrangelände“. Gegenwärtiges Hauptziel des Betriebes ist die Umstellung von zumeist einschichtigen Fichtenreinbeständen hin zu Dauerwäldern in Form vielfältig gemischter Wälder mit hohen Naturverjüngungsanteilen und der Erziehung von Wertholz. Diese Umstellung geht einher mit der Übernahme der Betriebsleitung durch Herrn Doppler Anfang der 1990iger ist sicher auch sehr mit seiner Person verbunden. Gründe hierfür waren die bekannten Risiken durch Sturm, Schneebruch und Käferbefall in der Fichte. Diesem Ziel ist der Betrieb schon in bewundernswertem Ausmaß näher gekommen.

Dazu war zunächst einmal eine Anpassung des Rehwild- und Rotwildbestandes an die Erfordernisse einer ausreichenden und baumartenreichen Verjüngung notwendig. Zu diesem Thema wurde erwartungsgemäß viel diskutiert, ob dieser Punkt schon erreicht ist. Man muss dabei bedenken, dass die Jagdgesetzgebung in Österreich kompliziert ist und noch Pflichtfütterungen von Rotwild vorsieht. Es muss schon als Erfolg betrachtet werden, dass diese für das Rehwild, jedenfalls in Niederösterreich, abgeschafft worden ist. Für die Fütterung des Rotwildes bewirtschaftet der Betrieb großflächig eigene Wiesen, verzichtet dabei aber bewusst auf eine Düngung.

Wald in Langau

Einen großen Raum nimmt gegenwärtig die Feinerschließung des Waldes mit Gassen bzw. Maschinenwegen parallel zum Gelände in einem Abstand von 50 bis 70 Meter, so dass die Einzelstammentnahme und die schnelle Schadholzbeseitigung möglich werden. Wir konnten eine gerade laufende Herstellung eines solchen Maschinenweges besichtigen, was sehr eindrucksvoll war. Dabei wird ausschließlich mit anstehendem Gestein bzw. Material gearbeitet. Ein Bagger bringt dafür Muttergestein an die Oberfläche, da Lehmboden keine dauerhafte Befahrbarkeit garantiert. Die Kosten betragen etwa 5 € pro lfd. Meter. Ein guter Nebeneffekt ist, dass die 3 m breiten Wege gerne von Rehwild genutzt werden damit auch die Jagd erleichtern.

An einigen Beispielen konnten wir einen Einblick in die Waldpflege und Strukturdurchforstung insbesondere zur Förderung von guten Stämmen bekommen. Wichtig war Herrn Doppler, Schirme möglichst lange dicht zu halten, um die Naturverjüngung durch Schatten zu erziehen. Das Ziel des vorverjüngten Mischwald ist schon auf großen Flächen realisiert. Durch Anflug von Mutterbäumen haben sich Eiche, Buche, Ahorn, Tanne und Fichte in großer Zahl verjüngt. Ein neues Arbeitsfeld ist die stetige Kronenförderung von Zielbäumen. Zur Sicherung der meisten naturverjüngten Tannen werden die Terminaltriebe der kleineren mit Schafwolle gegen Verbiss geschützt und ca. 3 m hohe Tannen mit Eisenstangen, die Querdrähte haben, gegen Rotwild geschützt.
Die Holzernte erfolgt in der Regel im manuellen Einschlag durch ausländische Arbeitskräfte. Es wird nur Kurzholz (LAS und Industrieholz) ausgehalten, welches zu den Maschinenwegen vorgeseilt wird. Die Rückemaschinen fahren nur auf diesen Gassen und bringen das Holz an die LKW-fähigen Wege. Erntekosten ca. 35 € pro fm. Die Biomasse in Form von Reisig und Kronen bleibt im Bestand.

Die Jagd erfolgt weitgehend in Einzeljagd als Pirsch- und Ansitzjagd ohne Hunde. Die Jäger dürfen nur zu Fuß in den Wald gehen. Zukünftig werden nur noch Begehungsscheine vergeben und die Forstverwaltung kontrolliert den Erfolg. Die 3 angestellten Förster beschäftigen sich jeweils zu 50 % mit Waldbau und 50 % mit der Jagd. Der Betrieb nimmt an einem geförderten Erhaltungsprogramm zum Schutz von Methusalembäumen (Laufzeit 20 Jahre) teil.
Hanna Garcke

Weinzierlwald der Österreichischen Bundesforste (3. Exkursionstag)
Es führte uns Revierförster Stefan Schörghuber, welcher ein breites Arbeitsspektrum neben der Revierarbeit vorzeigen kann (Klenge, Waldbauparcours, Waldpädagogik).
Der Weinzierlwald ist ein 115 ha großes Waldgebiet im Ostteil des Nördlichen Alpenvorlandes. Er gehört zu den Österreichischen Bundesforsten AG, Forstbetrieb Waldviertel-Voralpen, Revier Leiben. Das Revier ist 3600 ha groß, wovon 3000 ha Waldfläche sind. Er zeigt sehr leistungsfähige Standorte (pseudovergleyte Braunerden, Parabraunerden, Pseudogley und Stagnogley), die eine breite Palette von Baumarten ermöglicht. Dazu fallen 900 mm Jahresniederschlag bei 8,5 °C Jahresmittel.

Im Weinzierlwald ist ein Waldbauparcours mit forstlichen Kennzahlen, verschiedenen Durchforstungsarten und zahleichen Dokumentationen, für die Schulung von Förstern und Waldbesitzern eingerichtet. Die Jagd ist ab 2019 in Eigenregie, welches den hohen Verbissdruck durch Rehwild verstärkt Einhalt gebieten soll.

Die ÖBF AG – Forstbetrieb Waldviertel-Voralpen besitzt eine Gesamtfläche von 41.200 ha, davon 37.300 ha Waldfläche mit 29.300 ha Wirtschaftswald. Er ist in 9 Forstreviere aufgeteilt, verfügt über 50 ha Saatgutplantagen und eine eigene Klenge. Dieses lässt sich u. a. auf eine breite biogeographische Erstreckung mit 61 Baumarten zurückführen. Die Baumartenverteilung im Forstbetrieb beträgt: 50 % GFI, 22 % RBU, 8 % ELÄ, 7 % GKI, etc. (70/30 NH/LH). Der Hiebsatz beträgt 162.000 fm/Jahr und beschäftigt 60 Mitarbeiter.

Schon 1920/30 wurden der Weinzierlwald langsam mit SEI, Tanne und RER umgebaut. 1975 wurde er von einem heftigen Wintersturm, mit 13.000 fm Schadholz heimgesucht. Diese Standorte waren, wie damals üblich, mit GFI mit alle ihren Nachteilen bestockt.
Danach wurde der Bestandesumbau massive und großflächig forciert. Vor allem mit SEI, Ahorn, Kirsche, etc. wurden nach Räumung und intensiven Bodenbearbeitung aufgeforstet.
Das Ergebnis von heute zu 1976: 83 % GFI -> 30 % und 8 % LH -> 63 %

Die vorgezeigten Bestände zeigten einen nicht konsequenten Pflegezustand auf den Wertholzstamm in einem 40jährigen SEI-HBU-Bestand mit RER. Die Nutzung schien nur durch BR-Selbstwerber zu erfolgen. Ein Aufschluss war nicht zu erkennen und die Bodenvegetation bestand fast nur aus Seegras. Die Beschattung der SEI durch die HBU war nur teilweise erfolgreich. Die Wasserreiserbildung war augenscheinlich ein Problem. Das Abstoßen selbiger wurde positiv bewertet.
Über die Anzahl der Z-Baumanwärter wurde intensiv diskutiert, vor allem über die verschiedenen Definitionen. Das hier zu viele ausgewählt wurden/sollen war augenscheinlich.

Zum Abschluss sahen wir eine Eichennesterpflanzung, welche in die Zwischenräume eines 13jährigen Fichtenreinbestand nachträglich eingebracht wurde. Das bisherige Ergebnis überzeugte weder uns noch den Revierleiter.

Zusammengefasst war es natürlich sehr schwierig, die Eindrücke und die Ergebnisse der ersten beiden Exkursionstagen zu erreichen. Aber, der Wille etwas zu verändern, war in diesem Betrieb zu erkennen.

Daher wünschen wir viel Erfolg, Mut und Konsequenz bei der Behandlung der Bestände.

Christian Göhler

Eine forstliche Perle in Niederösterreich – Der Wald der Familie Beyer

Auf der Rückreise von der bis dahin schon sehr interessanten Exkursion nach Österreich stand noch ein Besuch in einem kleineren land- und forstwirtschaftlichen Betrieb an. Niemand ahnte zu Beginn und auch bei dem kleinen Spaziergang durch Gerstenfelder hin zu einem kleinen, ca. 25 ha großen „Feldgehölz“ noch nicht, dass es ein Highlight dieser Exkursion werden würde.
Wir waren zu Besuch im Betrieb der Familie Beyer. Da der „Chef“ (Vater Beyer) verhindert war, führte uns der Sohn, Matthias Beyer, durch das kleine Waldgebiet in Marwach. Der kleine Ort Marwach liegt im österreichischen Donautal, ca. 20 km östlich von Linz. Matthias Beyer ist ausgebildeter Forstwart, ein sehr praxisbezogener Berufsabschluss in Österreich, der zum Führen von Forstbetrieben bis 1.000 ha berechtigt.

Was wir in dem kleinen und von außen eher unscheinbaren Waldstück zu sehen bekamen, überraschte uns alle. Bei allen dort vorkommenden Baumarten, so z.B. Birke, Eiche, Ahorn, Kiefer, Lärche, waren einzelne Bäume als Wertholzanwärter herausgepflegt, sprich mit ausreichend Kronenfreiheit versehen, und geastet worden. Selten war das für mich so konsequent als bewusst gewähltes Betriebsziel umgesetzt zu sehen. Besonders faszinierend fand ich, dass der Ursprung zu diesem Denken bereits etwa 40 Jahre zurück liegt. Zu dieser Zeit bereits, da hat noch niemand auch nur ansatzweise von „Z-Bäumen“ gesprochen, hat der Großvater der Familie begonnen, einzelne Eichen zu pflegen und zu asten. Heute sind es bereits vielversprechende Wertholzeichen. Die aussichtsreichen Perspektiven der anderen Bäume lassen sich damit unschwer erahnen.

Dieser Forstbetrieb spiegelt eine so andere forstliche Denkweise wider, als man sie in Österreich und in weiten Teilen auch bei uns sonst vorfindet. Wenn die Herangehensweise dann auch noch so selbstverständlich und unaufgeregt wie von Herrn Beyer vorgetragen wird, ist es umso beeindruckender.

Beyer – Wald in Marwach

Natürlich ging es auch bei diesem Besuch um das Thema Jagd. Insbesondere stellt Rehwild ein Problem dar. Im Betrieb selbst erschien die Verbisssituation sehr entspannt. Rehwild wird sehr zielgerichtet bejagt, auch wenn die Trophäenjagd insgesamt schon eine gewisse Rolle spielt. Überraschend war, dass es eine sehr hohe Zahl von Jägern auf der Fläche gibt. Das Anreizsystem, Rehwild in ausreichendem Umfang zu erlegen, besteht vor allem darin, dass erst nach Erlegung einer festgelegten Anzahl weiblichen Rehwildes, im nächsten(!) Jahr ein mehrjähriger Bock erlegt werden darf.
Der Wald zeigt, dass es zu funktionieren scheint. Auch die bekannten Effekte, dass die Durchschnittsgewichte und die Trophäenstärken steigen, ließen sich durch entsprechende Diagramme von Herrn Beyer belegen.

Dass dieser Betrieb in Österreich nicht ganz unbekannt ist, konnten wir im Wohnhaus sehen. Dort hingen verschiedene Auszeichnungen für eine vorbildliche Waldbewirtschaftung. Merkwürdig nur, dass scheinbar so wenige Waldbesitzer diesem Vorzeigebetrieb nacheifern.

Dass es in Österreich viele nette Menschen gibt, ist allgemein bekannt. Wir haben in jedem Fall nur solche dort kennenlernen dürfen, die dazu auch noch sehr kompetent und zugewandt waren. Eine wesentliche Erkenntnis unserer Reise war sicher auch, dass in den Wäldern oft mehr sehenswerte Dinge verborgen und eine Reise wert sind. Wir hätten das alles ohne die Organisation unseres Vorstandsmitgliedes Jürgen Rosemund sicher nie gefunden. Dafür herzlichen Dank, lieber Jürgen!
Dietrich Mehl