Offener Brief zum Klimaplan Brandenburg:

Welche Menge an Treibhausgasen wird Brandenburg insgesamt noch ausstoßen? Der Klimaplan muss eine Antwort liefern! 

Appell an Ministerpräsident Dietmar Woidke, Umweltminister Axel Vogel und die Mitglieder der Landesregierung 


Sehr geehrter Ministerpräsident Woidke, sehr geehrter Minister Vogel, sehr geehrte Mitglieder der Landesregierung, 

im Koalitionsvertrag (2019) haben Sie die Erstellung eines Klimaplans für Brandenburg vereinbart. Vielen Dank, dass Sie uns nun als Stakeholder in die Erarbeitung einbeziehen. Nach Sichtung des Zwischengutachtens (i) zum Klimaplan und der Teilnahme an der ersten Stakeholder-Dialog-Runde als Teil des Beteiligungsprozesses, wenden wir uns mit dringenden und wichtigen Anliegen an Sie: 

1. Bisher bleibt die Menge an Treibhausgasen, die Brandenburg bis zur Klimaneutralität 2045 insgesamt noch ausstoßen wird, unberechnet. Legen Sie im Klimaplan die Menge an Treibhausgasen fest, die Brandenburg bis zur Klimaneutralität 2045 insgesamt noch maximal ausstoßen wird! 

2. Diese Menge an Restemissionen muss in einem Klimaschutzgesetz verankert werden. 

Warum ist es notwendig die Menge an Restemissionen für Brandenburg festzulegen? 

Die Klimawissenschaft ist sich einig: „Wenn der Gehalt von Treibhausgasen in der ⁠Atmosphäre⁠ ansteigt, führt dies zur Erwärmung der Erdatmosphäre und somit zum ⁠Klimawandel⁠“ (UBA (ii)). Es gibt also einen direkten Zusammenhang zwischen der Menge unserer Treibhausgasemissionen (THG-Emissionen) und der Erderwärmung. Deshalb hat der Weltklimarat (IPCC) im Jahr 2021 globale CO2-Restbudgets (iii) für bestimmte Temperaturgrenzen berechnet und der Weltgemeinschaft globale Emissionsgrenzen an die Hand gegeben. Ab dem 1.1.2020 (iv) haben wir demnach global noch folgende CO2-Restbudgets, um die entsprechenden Temperaturgrenzen (mit gewissen Wahrscheinlichkeiten) nicht zu überschreiten: 


Tabelle 1: Globale CO2-Restbudgets laut IPCC III AR 6 (2020): (SPM, S. 38) 

Die Aussage des Weltklimarates ist: Wenn wir (global) die Erwärmung begrenzen und damit katastrophale Auswirkungen der Klimakrise vermeiden wollen, dürfen wir die beschriebenen konkreten Emissionsmengen nicht überschreiten. 

Daraus folgt, dass auch im brandenburgischen Klimaplan eine konkrete Gesamtmenge an geplanten Restemissionen festgehalten werden muss. Nur so kann eine Aussage darüber getroffen werden, ob die Zielstellung aus dem Brandenburger Landtagsbeschluss vom 17.06.2020 (vi): „die globale Temperaturerhöhung im Vergleich zum vorindustriellen Niveau auf höchstens 1,5 Grad zu begrenzen“, mit dem Klimaplan eingehalten werden kann. 

Minister Vogel, Sie haben dies bereits bei der öffentlichen Auftaktveranstaltung zum Klimaplan (vii) am 25. Juni 2021 selbst formuliert: Das Bundesverfassungsgericht hat „im Prinzip ein Grundrecht auf Klimaschutz als ein Freiheitsrecht definiert. Das heißt, dass diese Generation die notwendigen Einsparungen nicht auf die nächsten Generationen verlagern kann, sondern dass wir bereits gefordert sind, die notwendigen Einsparungen vorzunehmen. Dabei ist das verfügbare Kohlendioxid-Budget der Maßstab. Auch dies ist eine wesentliche neue Aussage des Bundesverfassungsgerichts, um die Zielsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens erfüllen zu können.“ Diese Einschätzung teilen wir vollumfänglich und fordern alle weiteren Beteiligten dazu auf, in diesem Sinne im Klimaplan ein verbleibendes Kohlendioxid-Budget als Maßstab zu formulieren. 

Wie kann die Menge an Treibhausgasen, die Brandenburg insgesamt noch laut Klimaplan ausstoßen wird, berechnet werden? 

Aktuell haben Sie für Brandenburg das Ziel gesetzt, dass das Land bis spätestens 2045 klimaneutral leben und wirtschaften soll. Der Klimaplan wird nun ausgehend vom aktuellen Emissionsniveau mit Hilfe von Zwischenzielen für 2030 und 2040 einen Pfad aufzeigen, wie dieses Ziel erreicht werden kann. 

Aus diesem Pfad lässt sich dann die Menge an Treibhausgasen berechnen, die Brandenburg laut Klimaplan insgesamt noch plant auszustoßen: Es handelt sich um die Summe aller geplanten jährlichen Emissionen bis zur Klimaneutralität 2045. 

Bitte lassen Sie diese geplante Emissionsmenge berechnen und nehmen Sie diese Zahl in den Klimaplan auf! 

Durch die Erarbeitung des Klimaplans gehen Sie einen ersten wichtigen und richtigen Schritt, sich der Verantwortung für Klimaschutz zu stellen. Aufgrund des Angriffskrieges Russlands gibt es Stimmen, die ein Verschieben der Klimaschutzziele fordern. Doch ein ungebremstes Voranschreiten der Klimakrise mit ihren katastrophalen Folgen stellt die Menschheit vor viele weitere sicherheitspolitische Herausforderungen. Es ist also gerade jetzt wichtig, den Klimaschutz ernsthaft voranzutreiben. 

Dazu braucht es aber die Festschreibung eines verbindlichen Treibhausgas- bzw. CO2-Budgets für Brandenburg. Nur so können Sie ehrlich aufzeigen, ob der Brandenburger Klimaplan dazu beiträgt, die global beschlossenen Klimaziele zu erreichen, zu denen sich auch der Landtag im Jahr 2020 bekannt hat. Das aktuell gesetzte Ziel „klimaneutral bis spätestens 2045“ allein gibt keine Antwort auf die wirklich klimarelevante Frage: Wie hoch ist die Menge an Emissionen tatsächlich, die in Brandenburg noch ausgestoßen werden? Deshalb fordern wir Sie dazu auf: 

Gehen Sie bei der Erarbeitung des Klimaplans mit der Zeit und nutzen Sie ihn, um das Brandenburger Klimaziel ehrlich zu definieren und anschließend in einem Klimaschutzgesetz festzuschreiben: Mit der maximalen Menge an Treibhausgasemissionen – allen voran CO2 – die Brandenburg noch ausstoßen wird. 

Hierbei wollen wir Sie gerne unterstützen. Für weitere Gespräche und bei Rückfragen stehen wir Ihnen zur Verfügung. 

Mit freundlichen Grüßen

Daniel Acksel 
Ingo Baumstark (Regionalbüro Ost, Fachverband Biogas e.V.) 
Sarah Diering (NAJU Brandenburg e.V.) 
Petra van Dorsten (Deutscher Verband für Landschaftspflege e.V. (DVL)) 
Anna Ducksch (Fridays For Future Brandenburg) 
Stefan Golla (Scientists for Future) 
Sophie Haebel (Energie Forum Potsdam e.V.) 
Gerd Hampel (Fachverband Biogas e.V., Regionalgruppe Berlin-Brandenburg) 
Jan Hanisch (Bündnis Junge Landwirtschaft) 
Filibert Heim (Fridays For Future Brandenburg & JuFoNa) 
Friedrich Koch (Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW) Brandenburg-Berlin e.V.) 
Augustin Köllner (ENERTRAG) 
Axel Kruschat (BUND Brandenburg e.V.) 
Pauline Pautz (Jugendforum Nachhaltigkeit Brandenburg (JuFoNa)) 
Barbara Ral (VCD Brandenburg e.V.) 
Lars Roskoden (BWE Landesverband Berlin-Brandenburg) 
Jana Schelte (Jugendforum Nachhaltigkeit Brandenburg (JuFoNa)) 
Christiane Schröder (NABU Brandenburg e.V.) 
Franziska Sperfeld (BUND Brandenburg e.V.) 
Dr. Franziska Tanneberger (Universität Greifswald/Greifswald Moor Centrum) 
Frederike Timme (Jugendforum Nachhaltigkeit Brandenburg (JuFoNa)) Hanna von Versen (Ökologischer Jagdverein Brandenburg-Berlin e.V.) 
Fritz Viertel (VCD Brandenburg e.V.) 
Sarah Weltecke (ENERTRAG) 
Christian Wessel (ADFC Brandenburg e.V.) 
Michael Wimmer (Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg (FÖL) e.V.) 
Anna Wortberg (Jugendforum Nachhaltigkeit Brandenburg (JuFoNa))


Kontakt:
Jana Schelte (jana.schelte@kijubb.de // 0178 939 3535)
Franziska Sperfeld (franziska.sperfeld@bund.net // 0178 1448239) 


Unterstützt wird das Anliegen von: 

Pietro Altermatt (Scientists for Future) 
Andreas Bangert (Biopark Landwirtschaftsbetrieb Paulinenauer Str. 12 in 14641 Pessin)
Andreas Bergmann (Sprecher Landessprecher*innenrat der Landschaftspflegeverbände (LPV) Brandenburg/Berlin) 
Prof. Dr. Ralf Bloch (HNEE) 
Rudolf Dietmar (Scientists for Future) 
Michael Döscher (Scientists for Future) 
Anita Elpers (Vorstand Neue Energie Genossenschaft eG) 
Katja Geißler (Scientists for Future) 
Christoph Gerhards (Scientists for Future) 
Silke Hansen (Vorstandsmitglied des Landesjugendring Brandenburg e.V. & Mitglied im Nachhaltigkeitsbeirat Brandenburg) 
Dr. Sebastian Helgenberger (IASS Potsdam) 
Karl-Martin Hentschel (Scientists for Future) 
Rana Hoffmann (Scientists for Future) 
Michael Huber (Scientists for Future) 
Prof. Dr. Pierre Ibisch (HNEE) 
Peter Klefka (Scientists for Future) 
Lars Klinkmüller (Scientists for Future) 
Anton Kröber (BUNDjugend Brandenburg) 
Matthias Kruppa (Scientists for Future) 
Prof. Dr. Sven Linow (Scientists for Future) 
Prof. Wolfgang Lucht (Scientists for Future) 
Günter Mügge (Scientists for Future) 
Jens Rasim (Vorsitzender Biopark e.V.) 
Prof. Dr. Dr. h.c. Ortwin Renn (Wissenschaftlicher Direktor am IASS Potsdam & Vorsitzender des Nachhaltigkeitsbeirates Brandenburg) 
Nancy Schacht (Geschäftsführung Demeter im Osten e.V.) 
Thomas Seifert (Scientists for Future) 
Prof. Dr. Uta Steinhardt (Vizepräsidentin der HNEE & Mitglied im Nachhaltigkeitsbeirat Brandenburg) 
Volker Stelzer (Scientists for Future) 
Frank Stieldorf (Vorstandsvorsitzender der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg (FÖL) e.V. & Geschäftsführer der Rheinsberger Preussenquelle GmbH) 
Prof. Dr. Manfred Stock (Scientists for Future) 
Joerg Tremmel (Scientists for Future) 
Matthias Tremmel (Scientists for Future) 
Dr. Anne Ulrich (Wiss. Mitarbeiterin für Mensch-Umwelt-Forschung) 
Urban Weber (Scientists for Future) 
Prof. Dr. Martin Welp (HNEE) 
Jana Werner (Biokreis Nord-Ost e.V.) 
ADFC Brandenburg e.V. 
Arbeitsgemeinschaft Natur und Umweltbildung Brandenburg (ANU) e.V. 
Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW) Brandenburg-Berlin e.V. 
Biokreis Nord-Ost e.V. 
Biopark e.V. 
BUND Brandenburg e.V. 
Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) Landesvertretung Berlin Brandenburg 
Bundesverband WindEnergie e.V. (BWE) Landesverband Berlin/Brandenburg 
Bündnis Junge Landwirtschaft e.V. 
Bürgerinitiative StadtTeilAuto Potsdam 
Demeter im Osten e.V. 
Deutscher Verband für Landschaftspflege e.V. 
Energie Forum Potsdam e.V. 
Evangelische Jugend Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz 
Extinction Rebellion Potsdam 
Fachverband Biogas e.V., Regionalgruppe Berlin-Brandenburg 
Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg (FÖL) e.V. 
Fridays For Future Brandenburg 
Grüne Liga Brandenburg e.V. 
Jugendforum Nachhaltigkeit Brandenburg (JuFoNa) 
Klimainitiative Schwielowsee 
Kinder- und Jugendparlament Rathenow 
NABU Brandenburg e.V. 
NAJU Brandenburg e.V. 
NaturFreunde Landesverband Brandenburg e.V. 
NaturFreunde Jugend Brandenburg 
Ökologischer Jagdverein Brandenburg-Berlin e.V.
Parents for Future Brandenburg 
Potsdam Zero 
Scientists for Future – Fachgruppe Energie 
Tschüss Erdgas Potsdam 
Umweltclub Wandlitz 
VCD Brandenburg e.V. 
VENROB e.V. 
Villa Fohrde e.V.

 

Endnoten 

i https://mluk.brandenburg.de/sixcms/media.php/9/ZwBericht-Gutachten-KlimaplanBB_finale%20Fassung.pdf 
ii https://www.umweltbundesamt.de/daten/umweltindikatoren/indikator-emission-von-treibhausgasen#wie-ist-die-entwicklung-zu-bewerten 
iii Der Weltklimarat hat sich auf CO2 konzentriert. Es heißt aber im Bericht, dass das CO2-Restbudget auch kleiner oder größer sein kann, je nachdem wie sich die Emissionen anderer Treibhausgase wie beispielsweise Methan entwickeln. 
iv Seitdem sind bereits 28 Monate vergangen. Bei globalen Emissionen von aktuell 35-36 GT/ Jahr sind das ca. 80-85 GT CO2, die wir bereits verbraucht haben. 
v IPCC (2020) AR6 Climate Change 2021: The Physical Science Basis: https://www.ipcc.ch/report/ar6/wg1/downloads/report/IPCC_AR6_WGI_Full_Report.pdf (SPM, S. 38) 
vi Drucksache 7/1420(ND)-B 
vii https://mluk.brandenburg.de/mluk/de/ueber-uns/minister/rede-vom-25-06-2021/  

Weiterführende Literatur  

Globales THG-Restbudget: 

  • Erste Berechnung eines globalen Restbudgets ab dem 1.1.2018: IPCC (2018) SR1.5: Special Report on Global Warming of 1.5°C. An IPCC Special Report on the impacts of global warming of 1.5°C above pre-industrial levels and related global greenhouse gas emission pathways, in the context of strengthening the global response to the threat of climate change, sustainable development, and efforts to eradicate poverty. (S. 108) 
  • Zweite Berechnung eines globalen Restbudgets ab dem 1.1.2020: IPCC (2020) AR6 Climate Change 2021: The Physical Science Basis https://www.ipcc.ch/report/ar6/wg1/downloads/report/IPCC_AR6_WGI_Full_Report.pdf (SPM, S. 38) 

Webseite mit Informationen zum THG-Restbudget: https://www.klima-retten.info/Review.html 

Deutsche Übersetzung des Pariser Klimaschutzabkommens: https://www.bmuv.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Klimaschutz/paris_abkommen_bf.pdf  


Stellungnahme zum Entwurf des neuen Landesjagdgesetzes:

„Jagd hat dem Interesse der Eigentümer und der Gesellschaft an klimastabilen, vitalen Wäldern zu dienen“

Die ANW Brandenburg-Berlin äußert sich gemeinsam mit NABU, BUND, Grüner Liga, Waldbauernverband und Ökologischem Jagdverein (ÖJV) zu den aktuellen Plänen des MLUK für das neue Landesjagdgesetz. Hier lesen Sie die vollständige Pressemitteilung


Potsdam, 4. März 2022  In einem gemeinsamen Schreiben der vorgenannten Verbände vom 8.12.20 an Minister Axel Vogel, die Mitglieder des Ausschusses für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz sowie die Fraktionsvorsitzenden der demokratischen Parteien im Brandenburger Landtag hatten die Verbände Anforderungen an ein zukunftsfähiges Jagdgesetz formuliert, welches insbesondere einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung klimastabiler und leistungsfähiger Wälder, zur Sicherung einer ordnungsgemäßen Landwirtschaft und eine Unterstützung von Lebensraum- und Artenschutz leisten soll und muss.

Eine der wesentlichsten Forderungen der Verbände war, dass „jeder Eigentümer/jede Eigentümerin – unabhängig von der Flächengröße bzw. ab 1 ha und geeigneter Flächenform – auf seinem/ihrem Eigentum jagen darf“ Mal abgesehen davon, dass diese Forderung dem demokratischen Grundverständnis von Rechten und Pflichten des Eigentums in Deutschland folgt, ist es in vielen anderen Ländern gängige Praxis.  Jede darüber hinaus gehende Flächengröße führt dazu, dass eine Vielzahl von Eigentümern ihr Jagdrecht weiterhin nicht ausüben kann. So bedeutet z.B. eine Festlegung von 10 ha, dass zwar 61 % der privaten Waldfläche durch die jeweiligen Eigentümer*innen bejagt werden können, aber weiterhin 93 % der privaten Waldbesitzer diese Möglichkeit verwehrt bleibt.  Deshalb werden wir uns weiterhin dafür einsetzen, dass eine Bejagung von Eigentumsflächen ab 1 ha möglich sein wird.

Um zu verstehen, weshalb der Aspekt einer konsequenten (Rück)Übertragung des Rechtes an die Eigentümer, auf ihren Flächen selbst zu jagen, von elementarer Bedeutung ist, muss man zur Kenntnis nehmen, dass mit der Etablierung des Pachtjagdsystems und einer damit einhergehenden quasi Enteignung der Eigentümer*innen ein unlösbarer Interessenkonflikt entstanden ist. Es war auch in vorangegangenen Jagdgesetzen im Gesetzeszweck formuliert, dass Schäden in der Land- und Forstwirtschaft zu vermeiden sind und Wildbestände so zu regulieren sind, dass eine Waldverjüngung möglich ist. In der vorliegenden Entwurfsfassung zum Landesjagdgesetz ist diese Forderung noch einmal geschärft worden. Folgerichtig stellt der Vorsitzende des ÖJV Brandenburg/Berlin, Mathias Graf von Schwerin klar: „Jagd ist kein Selbstzweck, sondern integraler Teil einer Land- und Forstwirtschaft, die durch den Klimawandel vor gewaltigen Herausforderungen steht. Insbesondere hat sie dem Interesse der Eigentümer und der Gesellschaft an klimastabilen, vitalen Wäldern zu dienen.“

Die Entwicklung der Wildbestände in Brandenburg und die vorgelegten Ergebnisse der Bundes- bzw. Landeswaldinventur (50% aller jungen Bäume sind verbissen!) belegen eindeutig, dass diese Verpflichtung den allermeisten Jagdpächtern egal war. Dass die diesbezüglichen Probleme systemimmanent sind, bestätigt im Übrigen selbst der Deutsche Jagdverband (DJV) in einer Broschüre aus dem Jahr 2020 – „Lösungsansätze im Forst-Jagd-Konflikt“ (siehe S. 49).

Die Entkopplung von Eigentum und Jagd und der damit einhergehende Zielkonflikt (z.B. keine Schäden in der Landwirtschaft, artenreiche Waldverjüngung vs hohe Wildbestände, Trophäenjagd) haben zur jetzigen Situation mit hohen Wildschäden in der Land-und Forstwirtschaft geführt. Bezogen auf den Wald ist das sehr bedenklich und risikobehaftet, denn es hat dazu geführt, dass Wald in Größenordnungen nicht nachhaltig verjüngt werden kann, geschweige denn ein für unser Überleben existenziell notwendiger klimastabiler Mischwald entstehen kann.

Unserer Auffassung nach lässt sich diese große Herausforderung nur bewältigen, wenn die Rechte und Pflichten der Eigentümer endlich auch durch die entsprechenden Instrumente unterstützt werden und das ist in diesem Zusammenhang die Möglichkeit, auf Eigentumsflächen grundsätzlich selbst zu entscheiden, wer in welcher Art und Weise und mit welcher Zielsetzung dort jagt. Damit muss die Jagd zu einem Dienstleister für eine zukunftsfähige Landnutzung werden. Enno Rosenthal, Vorsitzender des Waldbauernverbandes Brandenburg unterstreicht: „Mit unserem gemeinsamen Vorschlag zur Jagdrechtsänderung sollen Land und Waldwirtschaft mit dem Wildtiermanagement durch die Eigentümer*innen zukünftig besser zusammengeführt werden. Natur und Gesellschaft erweisen wir damit einen guten Dienst.“

In der jetzt beginnenden formalen Beteiligung aller Verbände, Organisationen bzw. Institutionen werden sicher noch eine Vielzahl von Detailfragen und Formulierungen zu diskutieren sein. Insgesamt aber stellt der vorgelegte Gesetzentwurf eine gute Grundlage für ein modernes und zielführendes Jagdgesetz dar und die hier genannten Verbände werden den damit verbundenen, längst überfälligen Paradigmenwechsel nach Kräften unterstützen. Es muss aber betont werden, dass eine Überarbeitung des alten Jagdgesetzes in homöopathischen Dosen diesen Paradigmenwechsel nicht herbeiführen würde.  Um es abschließend noch einmal auf den Punkt zu bringen, die Aufgabe, vor der wir in Brandenburg stehen, ist gewaltig: Noch immer müssen in Brandenburg etwa 500.000 Hektar Kiefernforste zu klimaangepassten Mischwäldern umgebaut werden. Das ist in der notwendigen Geschwindigkeit allein durch Pflanzungen nicht zu schaffen. Zurzeit werden jährlich 2.140 Hektar Forst in Mischwald umgewandelt. Bei dieser Geschwindigkeit würde es noch 234 Jahre dauern, bis das Umbauziel erreicht ist. Deshalb ist es zu begrüßen, dass die Landesregierung zukünftig vermehrt auf natürliche Verjüngung setzen will. Allerdings wird die Verjüngung durch zu hohen Wildbestand verhindert. Dem kann durch eine Stärkung der Eigenverantwortung von Grundeigentümern – insbesondere bei der Jagdausübung – begegnet werden“, so Carsten Preuß, Vorsitzender des BUND Brandenburg.



Fragen dazu richten Sie gern an Dietrich Mehl, Vorsitzender der ANW-Landesgruppe Brandenburg-Berlin
Telefon: 033367 / 70129
E-Mail: dietrich.mehl@web.de


https://anw-brandenburg.de/2021/06/23/zukunftsfaehige-jagd-fuer-einen-zukunftsfaehigen-wald/(öffnet in neuem Tab)


Junge Waldschützer


Die ANW Brandenburg-Berlin hat schon zum zweiten Mal ein Schulprojekt in Georgien unterstützt: Mädchen und Jungen aus einer Dorfschule im Hochgebirge Adschariens erkundeten den Wald und lernten, was er für seine Gesundheit braucht. Kartlos Manvelidze, Dolmetscher vor Ort, hat darüber einen Bericht geschrieben

Wozu Durchforstungen? Warum werden auch Bäume krank? Und wie schützt man Bären?
Schüler aus dem Hochgebirge Adschariens erkunden mit dem Dorfförster den Wald

Der dänische Verein „Freunde von Georgien in Dänemark“ und die ANW Brandenburg-Berlin hatten schon 2019 ein Schulprojekt dieser Art in Adscharien finanziert. Am Ende des Sommers 2021 war die Zeit reif für eine zweite Runde „Junger Waldschützer“. Die Pandemie in Georgien ließ ein wenig nach, die Schulen wurden geöffnet. In Kooperation mit dem lokalen Forstamt und dem Ressourcen-Zentrum für Bildung wurde diesmal die Dorfschule Ghurta im Hochgebirge Adschariens ausgewählt. Die Schule nutzte immer noch die Bücher und Geräte aus der Sowjetzeit. Das Projekt wurde programmgemäß erfolgreich durchgeführt. Es wurden sogar zusätzliche Umweltbildungsaktivitäten geplant und abgewickelt.

Maßgeschneiderte Ausrüstung

Zuerst gab es ein Treffen mit der Schulleitung. Als lokale Koordinatorin wurde die Biologielehrerin gewählt, Marina Ghorjomeladze.  Zudem wurde das Projekt durch Diskussion verbessert und noch stärker an die Bedürfnisse der Schule angepasst. Anstelle von Karten und Postern wurden beispielsweise Bücher gekauft. Außerdem ein Mikroskop, Sezierbesteck, eine Wetterstation, ein GPS-Gerät und einiges mehr.

Bücher, Karten, Mikroskop – eine große Lieferung aus Dänemark und Deutschland

Moderne Umweltbildungsgeräte sind in Georgien nicht zu kaufen, oder sie sind dreimal so teuer wie im EU Raum. Aus diesem Grund wurden einige Geräte in Deutschland online bestellt und nach Dänemark an Torben Ravn geliefert. Torben Ravn, Vorsitzender des Vereins „Freunde von Georgien in Dänemark“, reiste im Oktober 2021 nach Georgien und transportierte die Sachen mit dem Koffer im Flugzeug. Dadurch wurden teure Zoll- und Versandkosten gespart. Mit den gesparten Geldern konnten zusätzliche Bücher eingekauft werden.

Riesige Nachfrage bei den Schülern

38 der insgesamt 87 Gesamtschüler haben sich auf einen Platz im Projekt beworben. Aufgrund der hohen Nachfrage wurden für die Gründung des Eco-Clubs 15 Schülern nach folgenden Kriterien ausgewählt:

1. Altersgruppe von 13 bis 17 Jahren
2. Beste Noten im Bereich Biologie, Botanik, Geographie und Naturkunde
3. Rekommandationen der lokalen Koordinatorin (die Biologielehrerin)

Die fleißigste Schülerin, Nata Ghorjomeladze, wurde als interne Leiterin des Eco-Clubs gewählt. Ihre Aufgabe war es, die neuesten Informationen des Projekts im Eco-Club zu verbreiten und zu kontrollieren, dass jedes Mitglied seine Aufgabe erfühlt.   

Der Eco-Club vor der Dorfschule von Ghurta

Eine Wetterstation für die ganze Region

Am 11.10.2021 wurde mit Hilfe des Schuldirektors die Wetterstation direkt auf dem Schulhof an prominenter Stelle installiert. Der Direktor sagte: „Dies ist die einzige Wetterstation in der Gegend. Unser Dorf und die umliegenden Siedlungen werden endlich genauere Klimadaten haben, dies wird die lokale Landwirtschaft einfacher machen!“ Die Wetterstation ist also nicht nur für die Schule, sondern auch für diese und die umliegenden Dörfer von großer Bedeutung.

Aufbau der Wetterstation

Nachdem die Wetterstation aufgebaut und die Funktionen überprüft waren, gab es das erste Treffen mit dem Eco-Club. Die Ziele des Projekts und anstehende Aktivitäten wurden dem Eco-Club vorgestellt. Anschließend wurden neue Bücher gezeigt und die Funktionsweise der einzelnen Geräte erklärt: Gemeinsam mit den Schülern wurde das Mikroskop aufgebaut und eine Pflanzenzelle observiert.

Abschließend wurde den Schüler die Funktionsweise der Wetterstation erklärt und die Aufgabe gestellt, täglich abwechselnd die Klimadaten der Wetterstation aufzunehmen und in einer vorgefertigten Tabelle zu dokumentieren. Die Schüler wussten aus dem Erdkundeunterricht, was die Lufttemperatur, Niederschlag, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit bedeuten.

Die Mitglieder des Eco-Clubs haben die Klimadaten vom 11. Oktober bis 11. November sorgfältig aufbewahrt. Dann haben Sie zusammen die Mittelwerte der gespeicherten Daten berechnet:


Tabelle 2. Ergebnisse von Klimaforschung im Dorf Ghurta (11 Oktober – 11 November)

Lufttemperatur (°C)Luftfeuchtigkeit (%)Luftdruck (mbar)Niederschlagsmenge (mm)
7,9641021,3134


Besuch aus Dänemark

Torben Ravn, der im Oktober nach Georgien kam, ist Förster von Beruf. Während seines Aufenthalts in Adscharien besuchte er die Dorfschule Ghurta und hielt ein Seminar für die Schüler vor Ort. Die Veranstaltung wurde spontan am 13. Oktober 2021 vom CEDF-Team und der Schulverwaltung organisiert. Die Veranstaltung wurde sogar von Hauptsender Adjariens (Adjara TV) aufgenommen. Auch in der Lokalpresse machte das Schlagzeilen.

Diskussion mit Förster Torben Ravn aus Dänemark

Das Seminar fand im Hinterhof der Schule statt. Torben Ravn erzählte den Schüler von den Wäldern in Dänemark und erklärte die Bedeutung von Wäldern in vielerlei Hinsicht. Danach wurde fast zwei Stunden lang diskutiert. Die Schüler stellten dem Förster Fragen zu Klimawandel, Plastikproblemen, Erdrutschen, Jagd, Wasser- und Bodenverschmutzung. Torben Ravn beantwortete die Fragen mit Freude und sehr ausführlich. Als Dolmetscher setzte sich Kartlos Manvelidze ein.

Ins Gelände mit dem Dorfförster

Eine Geländeübung mit dem Förster des Dorfes sollte am 29. Oktober stattfinden, allerdings begann es plötzlich stark zu regnen. Die Übung könnte im Gelände nicht durchgeführt werden, darüber hinaus wurde in einem Klassenzimmer ein Seminar veranstaltet. Der Förster erzählte dem Eco-Club von den Aufgaben eines adscharischen Försters, danach erklärte er die Bedeutung von sozialen und sanitären Durchforstungen. Darüber hinaus wurden die aktuellen Waldkrankheiten besprochen. Am Ende gab es Diskussion über Bärenschutz in den naheliegenden Wäldern.

Das Essen, das ursprünglich als Picknick gedacht war, wurde in Klassenzimmer gegessen. An dem Tag wurde ein anderer Termin für die Geländeübung vereinbart.

Die Geländeübung fand am 3. November noch einmal statt. Alles lief nach dem Plan. In einem naheliegenden Wald beschrieb der Eco-Club die Waldbestände. Dabei wurden das GPS Gerät, Kompass und Messgerät für Baumdurchmesser intensiv eingesetzt. GPS Koordinaten und die Meereshöhe der Waldbestände wurden aufgenommen. BHD der Bäume wurden gemessen. Einzelne Baumarten wurden bestimmt und die morphologischen Unterschiede zwischen verschiedenen Nadelbaumarten wurden diskutiert. Am Ende wurden die Schüler auf die Plastikverschmutzung des Waldes aufmerksam gemacht. Leider waren im Übungsgebiet mehrere Plastikflaschen und Plastiktüten zu finden. Darüber hinaus wurde die negative Folge des Plastik auf den Mensch und Ökosysteme diskutiert. Am Ende der dreistündigen Übung gab es Picknick im Freien. Das Essen hatten die Schüler selbst organisiert.

Exkursion in den Machakhela Nationalpark

Die Exkursion fand am 5. November statt. Am Morgen wurde die Gruppe von Maradi Lakobadze und Nana Baujadze begrüßt, den Biodiversitätsexperten des Parks. Im Konferenzraum des Verwaltungsgebäudes präsentierte Nana Baujadze die Artenvielfalt der Adscharischen Wälder und die Bedeutung von Schutzgebieten für den Menschen und die Natur. Im Anschluss an die Präsentation gab es eine Diskussion über bedrohte Arten und deren Erhaltung.

Nach dem Mittagessen in einem lokalen Restaurant gab es eine dreistündige Wanderung durch den Wald des Parks. Unterwegs wurden die Laubbaumarten und Sträucher identifiziert, aber auch Natursehenswürdigkeiten wie die Wasserfälle besucht. Die Exkursion endete mit einer kurzen Diskussion über Ökotourismus, seine Vor- und Nachteile.

Am 10. November traf sich der Eco-Club ein letztes Mal. Die Schüler verfassten einen kurzen Bericht über die durchgeführten Aktivitäten. Nach dem Unterricht wurde andere Schüler eingeladen und der Bericht wurde ihnen präsentiert. Zum Abschluss gab es eine kurze Feierstunde, bei der den Mitgliedern des Eco-Clubs die Urkunden überreicht wurden. Die Urkunden wurden vom Schuldirektor, von Förster Torben Ravn und dem CEO der NGO CEDF, Soso Tedoradze, unterzeichnet.


Ergebnisse des Projekts

1. Die Schule ist mit den neuesten naturkundlichen Büchern und modernen Technologien für die Umweltforschung ausgestattet

  • Schüler haben ausführliche Informationen über die technischen Eigenschaften des Inventars, den Zweck und die Verwendungsregeln
  • Inventar wird für Biologie, Geographie und anderen Umweltunterricht eingesetzt
  • Inventar wird von interessierten Studenten verwendet, um die Umwelt zu erlernen und zu erforschen

2. Erhöhtes Umweltbewusstsein – mindestens 15 Schüler der Schule verfügen über Kenntnisse zu folgenden Themen

  • Methoden der Klimaforschung und das Klima im Dorf
  • Baumarten in den naheliegenden Wäldern des Dorfes
  • Bioökologischer Allgemeinzustand in den naheliegenden Wäldern des Dorfes
  • Morphologische Unterschiede zwischen Nadelbaumarten (Fichte, Tanne, Eibe, Kiefer)
  • Die Bedeutung des sozialen und sanitären Durchforstungen
  • Aufgaben eines Försters in Adscharien
  • Biodiversität und Natursehenswürdigkeiten des Machakhela Nationalparks
  • Arten von Schutzgebieten in Adscharien und ihre soziale, wirtschaftliche und ökologische Bedeutung
  • Lokale und regionale ökologische Probleme, ihre Ursachen und Lösungswege – darunter globale Klimawandel, Umweltverschmutzung, Artensterben, Erosionsprozesse und Waldbrände
  • Prinzipien der Gruppenarbeit

3. Fünfzehn Schüler der Schule haben theoretische und praktische Erfahrungen in der Erforschung und dem Schutz der Umwelt

4. Fünfzehn Schüler der Schule verfügen über Urkunden, die ihnen in der Zukunft die Arbeitssuche im Bereich Umweltschutz erleichtern


Danksagung

Wir – das Team des CEDF, der Schulverwaltung von Ghurta und des Eco-Clubs – danken den Mitgliedern der „Freunde von Georgien in Dänemark“ und der ANW Brandenburg-Berlin für ihre finanzielle Unterstützung. Besonderer Dank geht an Jürgen Rosemund und Torben Ravn.
Das Projekt wurde zu Beginn von Herrn Rosemund initiiert und das Konzept mit uns theoretisch erarbeitet. Zu diesem Zweck hat er sich engagiert, die Spenden zu organisieren. Herr Ravn finanzierte den Großteil des Projekts und war persönlich an der Umsetzung des Projekts beteiligt. Er führte für die Schüler interessante Seminare und Diskussionen zum Thema Wald- und Naturschutz.


Das Wichtigste in Kürze

  • Zeitraum der Durchführung: September 20 – November 11, 2021
  • Ort der Aktivitäten: LEPL Dorfschule von Ghurta  
  • Beteiligte Institutionen: LEPL Dorfschule von Ghurta; Ressourcen Zentrum für Bildung von Khulo Munizipalitt; Forstamt Adschariens; Verwaltung von Machakhela National Park
  • Budget: 1500 Euro
  • Spender-Organisationen: NGO „Freunde von Georgien in Dänemark“ (1033,50 Euro); Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft Brandenburg e. V. (466,50 Euro)
  • Projekt durchgeführt durch NGO „Caucasus Ecological Development Fund“
  • Projekt Koordinator: Kartlos Manvelidze

Zukunftsfähige Jagd – für einen zukunftsfähigen Wald

Brandenburger Verbände fordern ein neues Landesjagdgesetz, damit klimastabile Wälder wachsen können

Die Initiative kam von der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft Brandenburg-Berlin: Im Dezember 2020 beziehen mehrere Landesverbände gemeinsam Position zu einem neuen Jagdgesetz – die ANW selbst, BUND, NABU, der Ökologische Jagdverein und der Waldbauernverband. In einer gemeinsamen Stellungnahme fordern sie eine tiefgreifende Gesetzesnovelle.

Der Grund: Die Entwicklung klimaangepasster Mischwäldern geht trotz aller Alarmsignale viel zu langsam voran. Ursache sind auch die hohen Wildbestände, die die dringend benötigten jungen Laubbäume auffressen. Ein neues Jagdgesetz soll sicherstellen, dass Wildbestände angepasst werden. Weitere Forderungen zielen auf mehr Arten- und Umweltschutz und vor allem auf das Jagdrecht selbst.

„Waldbesitzer und Jäger, die zur natürlichen Waldentwicklung und zum Artenschutz beitragen wollen, müssen dies auch realisieren können“, sagt Dietrich Mehl, Vorsitzender der ANW. Jeder Waldeigentümer und -besitzer solle auf seinen eigenen Flächen jagen dürfen. Wegen der aktuellen Jagdgesetze haben 99 Prozent von ihnen keine Möglichkeit dazu, weil ihre Flächen kleiner als 75 Hektar sind – eine Regelung, die mit moderner Demokratie nicht zu vereinbaren ist.

Das vollständige Schreiben finden Sie hier:

Fragen dazu richten Sie gern an Dietrich Mehl, Vorsitzender der ANW-Landesgruppe Brandenburg-Berlin
Telefon: 033367 70129
E-Mail: dietrich.mehl@web.de

J. Lewis-Stempel – Im Wald

Buchbesprechung

John Lewis-Stempel
Im Wald – Mein Jahr im Cockshutt Wood

Verlag Dumont, Köln 2020, 282 Seiten, € 22.–

Bei dem Stichwort „Wald“ denkt man kaum an England, vielleicht nur an den Sherwood Forest mit Robin Hood. Dies ist auch kaum verwunderlich, da die Landesfläche von Großbritannien nur mit knapp 13 % Wald bestockt ist.

Ein kurzer Hinweis in einer Zeitschrift auf dieses Buch des englischen Autors John Lewis-Stempel hat mich neugierig gemacht, ich habe mir das Buch gekauft und es keinen Moment bereut.

John Lewis-Stempel ist Landwirt  und Schriftsteller (oder umgekehrt) und  bewirtschaftet einen 16 ha- Hof im ländlichen Herefordshire im Westen Englands, kurz vor der Grenze zu Wales. Er pachtet den Cockshutt Wood mit 1,5 ha, um ihn zu bewirtschaften.

Hier fängt nun der gravierende Unterschied zur aktuellen deutschen Forstwirtschaft an. Der Autor definiert Waldwirtschaft nicht als Holzwirtschaft, sondern als Teil der Landwirtschaft, wie es bei uns vor vielen Jahren auch war. Heutigen Forstleuten werden vermutlich die Haare zu Berg stehen, wenn sie lesen, wie er Schweine, Rinder, Schafe ganz bewußt in den Wald treibt, um das wuchernde Brombeergestrüpp klein zu halten und so Teile der Waldvegetation als Futter zu nutzen.  Holz ist für den Eigenbedarf da, aber auch Pilze, Beeren, Kaninchen, Grauhörnchen, Waldschnepfen etc. für das Essen. So finden sich im Buch Rezepte für Kastanienpüree, Wildapfelgelee, Eichelkaffee, Holunderblütensekt, Bärlauch-Dolmades,u.a.

John Lewis-Stempel ist ein hervorragender  Beobachter, hat ein sehr großes Wissen um Pflanzen und Tiere und beschreibt den Wald mit seinen Bewohnern bis in feinste Einzelheiten. Das Buch ist das Tagebuch seines letzten Jahres im Cockshutt Wood und man kann mit ihm die spannenden Entwicklungen im Jahresverlauf erleben.

Hier kommt nun eine weitere Besonderheit des Buches. Der Autor ist ein Poet und man muss oft seine Worte, Sätze, Gedankenverbindungen zweimal lesen, um sie richtig zu würdigen.  Sätze wie „Eintagsfliegen fallen auf den Teich und sterben wie tragische Ballerinas“ oder „Bei meinem Spaziergang störe ich das Teichhuhn auf, das fußbaumelnd flach davonfliegt und Narben auf der Wasserfläche hinterläßt.“ Solche poetischen Umschreibungen finden sich auf fast jeder Seite und erhöhen das Lesevergnügen. Auch kennt sich der Autor sehr gut in der englischen Geschichte und der ,auch antiken, Literatur aus und so gibt es viele Zitate und Hinweise für eigenes Lesen.

Man muss sich auf das Buch vorurteillos einlassen und nicht bei jedem Handeln oder bei jedem ungewöhnlichen Satz denken, da stimmt was nicht. John Lewis-Stempel schreibt mit dem feinen, typisch englischen Humor und viel Selbstironie, die, wenn man dies mag, das Buch für mich so interessant, schön und lesenswert machen. Ich habe es in einem Sitz, allerdings mit vielen Pausen zum Nachdenken, gelesen und werde es immer wieder zur Hand nehmen.

Jürgen Rosemund


Arbeitstreffen Gebersdorf, Forstbetrieb Thrun

Bericht von Adrian Schüler

Am 28.09.2019 besichtigten die Mitglieder der ANW Brandenburg und weitere Interessierte einen Forstbetrieb in Gebersdorf zum Thema „Waldumbau im trockenen Tieflandklima auf mäßig nährstoffversorgten Standorten“. Vielseitige Exkursionspunkte gaben den Teilnehmenden einen tollen Einblick in den Forstbetrieb der Familie Thrun und konnten durch spannende Diskussionen sowie durch den Austausch von Erfahrungen ergänzt werden.

Weiterlesen

Protokoll „Zukunftswerkstatt Jagd“ 28.11.18

 

Die oberste Jagdbehörde im MLUL organisierte die „Zukunftswerkstatt Jagd“ für jeweils 2 Vetreter aller mit Jagd betroffenen Behörden und Verbänden im Land Brandenburg.

Das Protokoll von Herrn Nass finden Sie hier bzw. nachfolgend.

Als Moderatoren konnten durch das MLUL Herr Prof. Dr. Beimgraben (Professur für Wildökologie und Jagdwirtschaft, Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg) und Herr Prof. Dr. Schraml (Leiter der Abteilung Wald und Gesellschaft an der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt, Freiburg) gewonnen werden.

Der Abteilungsleiter „Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Forsten“, Herr Eduard Krassa begrüßte die Teilnehmer und stellte das Ziel dieser als Kombination aus Impulsvorträgen und Workshop durchgeführten Veranstaltung als vertrauensbildende Maßnahme aller Beteilgten und als Neuanfang für zukünftige Interaktionen vor.

Herr Prof. Dr. Werner Beutelmeyer, Vorstand und Geschäftsführer Market Institut (Linz) in Österreich und selbst Jäger, referierte sehr eindringlich über „Jagd 2030 – Wie entwickeln sich Jagd und Jäger in Deutschland?“

Die Entfremdung zwischen Jägern und urbaner Gesellschaft ist unübersehbar. Der moderne Städter habe “so seine Zweifel an der Jagd und besonders mit den Jägern.” Auf der anderen Seite gelinge es den Jägern immer weniger, ihr Tun glaubwürdig zu erklären.

Das „Warum braucht´s die Jagd“ sei schwer zu vermitteln. Einerseits herrsche “bestenfalls blanke Ahnungslosigkeit” beim Städter, wenn es um das Thema Jagd geht, vielfach weiche jedoch das Wissensvakuum massiven Vorurteilen. Und zum anderen habe der Jäger ein gravierendes Glaubwürdigkeitsproblem. Zu viele Pannen seien in der Vergangenheit passiert – und meistens war das Krisenmanagement danach eher schlecht – dann ist ein schwerwiegender Kollateralschaden für die Jagd unvermeidlich.

So mancher Waidmann sehe die heranziehenden Gewitterwolken aber noch nicht, denn der Veränderungsdruck bzw. das Veränderungstempo in Sachen Einstellung zur Jagd ist unterschiedlich. Dort wo es ländlich zugehe,  sei das Tempo der Veränderung deutlich niedriger.

Der Städter oder der urbane Moderne werde immer mehr zum Freizeitkonkurrenten des Jägers. Es entstehe ein Wettbewerb um die Natur sowie um deren Nutzung in der Freizeit. Der Städter liebt “die Natur”, Wissen über die Zusammenhänge fehle jedoch nahezu völlig. Während Naturschutz an Bedeutung und Glaubwürdigkeit gewinne und immer höhere Spendenvolumen erziele, befände sich die Jagd auf dem Rückzug. Der Jagd sei es nicht gelungen, ihre Naturkompetenz zu vermitteln. Wenn es um die Natur gehe, verlässt sich der urbane Moderne nicht auf die Aussagen der Jagd, sondern vertraut eher dem Naturschutz.

Die Jagd sei derweil mit sich selbst beschäftigt: Macht rote und grüne Punkte auf Trophäen und beschwert sich über neue Beutegreifer wie Luchs, Wolf und Bär. Häufig werde die Tradition beschwört. Aber Tradition schützt vor Veränderung nicht.

Der Lebensraum für Wildtiere wird eingeschränkter, die Herausforderungen der Jagd nehmen zu und gleichzeitig lässt die Professionalität der „modernen“ Jäger nach. Das Jagdwissen nimmt ab – mehr Theorie und weniger Praxis – und die Verwendung illegaler Jagdmittel nimmt zu. Gleichzeitig haben die Jäger immer weniger Zeit für die eigentliche Jagdpraxis – einen Jagdgebrauchshund bilden immer weniger aus. Für die Jagd sei der Megatrend „des Verlustes an handwerklichen Fertigkeiten“ wohl die stärkste Zukunftsherausforderung neben der Verbesserung der Dialogfähigkeit mit der Öffentlichkeit.

Thesen für 2030:

  • Die Wertschätzung der Natur nimmt deutlich zu. Gleichzeitig nimmt das Naturverständnis und die Naturerfahrung ab.
  • Die „urbanen“ Natur-Egoisten werden mehr. Die einzelnen Nutzer-Zielgruppen reklamieren die Natur für sich.
  • Den Jägern gelingt es zunehmend weniger, glaubwürdig Naturkompetenz zu vermitteln.
  • Die Jäger können das „Warum“ der Jagd nicht ausreichend erklären.
  • Die Ablehnung der Jagd nimmt in der Gesellschaft deutlich zu.
  • Die Jagd verliert an Professionalität. Sie wird vermehrt nur Freizeitbeschäftigung mit Netzwerknutzen.
  • Das Jagdwissen und die Praxiserfahrungen nehmen dramatisch ab. Die Jagdkultur erlebt massive Erosion.
  • Zeit wird immer knapper – auch für die Jagdpraxis. Das Führen von Jagdhunden tut sich der Jäger 2030 kaum mehr an.
  • Es kommt zu Liberalisierung verschiedener, derzeit noch als illegal geltender Jagdmittel. Dazu zählen vor allem die Verwendung von Nachtsichtgeräten, Scheinwerfern, die Jagd zur Nachtzeit auf Hochwild sowie der verstärkte Einsatz von Kirrungen um zu raschem Jagderfolg zu kommen.
  • Das Ansehen der Jagd wird 2030 massiv in Schieflage geraten.

Das diese Thesen nicht so eintreten, ist meiner Einschätzung nach die größter Herausforderung für Jagdverbände und Jäger, aber auch für die ANW!

Herr Dr. Carsten Leßner, Referatsleiter „Wald und Forstwirtschaft, oberste Jagdbehörde“, hielt einen Impulsvortrag „Wo steht die Jagd in Brandenburg“ – Beobachtungen der obersten Jagdbehörde“, in dem insbesondere die Jagdstrecken verschiedener Wildarten in einer Jahresreihe bis zum vergangenen Jagdjahr ausgewertet wurden. Dabei wurde deutlich, dass die Schalenwildstrecken in den letzten 50 Jahren teilweise um 1.000 % (!) angestiegen sind.

Anschließend fanden 2 parallele Workshops statt, an denen jeweils 1 Verbands- bzw. Behördenvertreter teilnahm. Ein Thema widmete sich dem „Anliegen der Verbände an die oberste Jagdbehörde“ und im anderen Workshop wurden „Grundlagen einer gelingenden Zusammenarbeit“ erörtert.

Die Workshops, die Vorstellung und die Diskussion der Ergebnisse wurden durch die Moderatoren begleitet.

Insgesamt war es eine sehr gelungene und konstruktive Veranstaltung, die allerdings durch die massive und teilweise unsachliche Kritik von Vertretern des Landesjagdverbandes sehr getrübt wurde.

Burkhard Nass

Beispielbetriebe Wald und Wild

Die folgenden Betriebe haben sich bereit erklärt, interessierten Gruppen ihren Weg zur Balance von Wald und Wild zu erklären und zu zeigen:

Brandenburg
Forstbetrieb Buchwäldchen
Gunther Emmrich
Forst-buchwaeldchen@t-online.de

Forstbetrieb Michael Duhr
Michael Duhr
Michael.duhr@t-online.de

Hatzfeldt-Wildenburg`sche Verwaltung, Forstrevier Massow
Mark Illerich
m.illerich@hatzfeldt.de

Forstbetrieb Hirschfelde
Mathias Graf v. Schwerin
hanna.versen@forstbetrieb-hirschfelde.de

Mecklenburg-Vorpommern
Forstbetrieb Fam. von Maltzahn GbR
Moritz von Maltzahn
moritz@forsthof-kruemmel.de

Thüringen
Hatzfeldt-Wildenburg`sche Verwaltung, Beichlingen
Mario Schirmer
schirmermario@mfl-online.de

Sachsen-Anhalt
Gräflich Ortenburg`sche Forstverwaltung Hayn/Harz
Rupprecht Graf zu Ortenburg
r.ortenburg@gmx.de

Sachsen
Forst Oberwald
Frhr. Franz v. Rotenhan /
Frank Günther
f.guenther@boscor.de

NRW
Freiherr von Fürstenberg`sche Forstverwaltung,Brabecke
Lucas von Fürstenberg
info@fuerstenberg-brabecke.de

Hessen
Dr. Lucius`sche Forstverwaltung
Christian von Bethmann
cvbethmann@gmx.de

Gut Hohenhaus
Stephan Boschen
gutshof@hohenhaus.de

Baden-Württemberg
Stadtwald Villingen-Schwenningen
Dr. Tobias Kühn / Roland Brauner
Tobias.kuehn@villingen-schwenningen.de / roland.brauner@villingen-schwenningen.de

Forstbetrieb Großer Grassert GbR
Dr. Hermann Rodenkirchen
dr.hermann.rodenkirchen@t-online.de

Bayern
Stadtwald Lohr a. Main, Distr. II „Dicker Rohn“
Bernhard Rückert
brueckert@lohr.de

Jagdgenossenschaft Kay
Hans Poller
pollerh@aol.de