„Der Wald kann nicht warten – Jagdgesetz jetzt!“

Aufruf zur Kundgebung für ein neues Jagdgesetz
am Donnerstag, 8.12.2022, in Potsdam

Liebe Mitglieder unserer Landesgruppe,  

leider verschließt die Politik nach wie vor die Augen:
vor dem dramatischen Zustand, in dem sich unsere Wälder befinden,
vor der enteignungsgleichen Situation vieler Grundeigentümerinnen und -eigentümer und
vor den Chancen und Möglichkeiten, die ein modernes Jagdgesetz bringen würde. 

Wir wollen zeigen, dass viele Menschen dem Wald eine Stimme geben wollen, dass sie nicht vor den Scheinargumenten der Jagdlobby einknicken.

Deshalb rufen wir Sie dazu auf, gemeinsam mit dem Verbändebündnis aus ANW, ÖJV, BUND, Grüner Liga, NABU, Naturfreunde und Waldbauernverband, am  

08.12.2022 um 11:00 Uhr

vor dem Brandenburgischen Landtag in Potsdam 

unter dem Motto: „Der Wald kann nicht warten – Jagdgesetz jetzt!“ für die Reform des Landesjagdgesetzes zu demonstrieren. 

Bitte unterstützen Sie uns zahlreich. 

Viele Grüße
Dietrich Mehl 
Vorsitzender der Landesgruppe ANW Brandenburg-Berlin e.V.    

Geschäftsführung und Kassenstelle
Philipp Kunze
Nazarethweg 9b
16321 Bernau OT Lobetal
Tel.: 0172 1839712
E-Mail: geschaeftsstelle@anw-brandenburg.de

Offener Brief zum Klimaplan Brandenburg:

Welche Menge an Treibhausgasen wird Brandenburg insgesamt noch ausstoßen? Der Klimaplan muss eine Antwort liefern! 

Appell an Ministerpräsident Dietmar Woidke, Umweltminister Axel Vogel und die Mitglieder der Landesregierung 


Sehr geehrter Ministerpräsident Woidke, sehr geehrter Minister Vogel, sehr geehrte Mitglieder der Landesregierung, 

im Koalitionsvertrag (2019) haben Sie die Erstellung eines Klimaplans für Brandenburg vereinbart. Vielen Dank, dass Sie uns nun als Stakeholder in die Erarbeitung einbeziehen. Nach Sichtung des Zwischengutachtens (i) zum Klimaplan und der Teilnahme an der ersten Stakeholder-Dialog-Runde als Teil des Beteiligungsprozesses, wenden wir uns mit dringenden und wichtigen Anliegen an Sie: 

1. Bisher bleibt die Menge an Treibhausgasen, die Brandenburg bis zur Klimaneutralität 2045 insgesamt noch ausstoßen wird, unberechnet. Legen Sie im Klimaplan die Menge an Treibhausgasen fest, die Brandenburg bis zur Klimaneutralität 2045 insgesamt noch maximal ausstoßen wird! 

2. Diese Menge an Restemissionen muss in einem Klimaschutzgesetz verankert werden. 

Warum ist es notwendig die Menge an Restemissionen für Brandenburg festzulegen? 

Die Klimawissenschaft ist sich einig: „Wenn der Gehalt von Treibhausgasen in der ⁠Atmosphäre⁠ ansteigt, führt dies zur Erwärmung der Erdatmosphäre und somit zum ⁠Klimawandel⁠“ (UBA (ii)). Es gibt also einen direkten Zusammenhang zwischen der Menge unserer Treibhausgasemissionen (THG-Emissionen) und der Erderwärmung. Deshalb hat der Weltklimarat (IPCC) im Jahr 2021 globale CO2-Restbudgets (iii) für bestimmte Temperaturgrenzen berechnet und der Weltgemeinschaft globale Emissionsgrenzen an die Hand gegeben. Ab dem 1.1.2020 (iv) haben wir demnach global noch folgende CO2-Restbudgets, um die entsprechenden Temperaturgrenzen (mit gewissen Wahrscheinlichkeiten) nicht zu überschreiten: 


Tabelle 1: Globale CO2-Restbudgets laut IPCC III AR 6 (2020): (SPM, S. 38) 

Die Aussage des Weltklimarates ist: Wenn wir (global) die Erwärmung begrenzen und damit katastrophale Auswirkungen der Klimakrise vermeiden wollen, dürfen wir die beschriebenen konkreten Emissionsmengen nicht überschreiten. 

Daraus folgt, dass auch im brandenburgischen Klimaplan eine konkrete Gesamtmenge an geplanten Restemissionen festgehalten werden muss. Nur so kann eine Aussage darüber getroffen werden, ob die Zielstellung aus dem Brandenburger Landtagsbeschluss vom 17.06.2020 (vi): „die globale Temperaturerhöhung im Vergleich zum vorindustriellen Niveau auf höchstens 1,5 Grad zu begrenzen“, mit dem Klimaplan eingehalten werden kann. 

Minister Vogel, Sie haben dies bereits bei der öffentlichen Auftaktveranstaltung zum Klimaplan (vii) am 25. Juni 2021 selbst formuliert: Das Bundesverfassungsgericht hat „im Prinzip ein Grundrecht auf Klimaschutz als ein Freiheitsrecht definiert. Das heißt, dass diese Generation die notwendigen Einsparungen nicht auf die nächsten Generationen verlagern kann, sondern dass wir bereits gefordert sind, die notwendigen Einsparungen vorzunehmen. Dabei ist das verfügbare Kohlendioxid-Budget der Maßstab. Auch dies ist eine wesentliche neue Aussage des Bundesverfassungsgerichts, um die Zielsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens erfüllen zu können.“ Diese Einschätzung teilen wir vollumfänglich und fordern alle weiteren Beteiligten dazu auf, in diesem Sinne im Klimaplan ein verbleibendes Kohlendioxid-Budget als Maßstab zu formulieren. 

Wie kann die Menge an Treibhausgasen, die Brandenburg insgesamt noch laut Klimaplan ausstoßen wird, berechnet werden? 

Aktuell haben Sie für Brandenburg das Ziel gesetzt, dass das Land bis spätestens 2045 klimaneutral leben und wirtschaften soll. Der Klimaplan wird nun ausgehend vom aktuellen Emissionsniveau mit Hilfe von Zwischenzielen für 2030 und 2040 einen Pfad aufzeigen, wie dieses Ziel erreicht werden kann. 

Aus diesem Pfad lässt sich dann die Menge an Treibhausgasen berechnen, die Brandenburg laut Klimaplan insgesamt noch plant auszustoßen: Es handelt sich um die Summe aller geplanten jährlichen Emissionen bis zur Klimaneutralität 2045. 

Bitte lassen Sie diese geplante Emissionsmenge berechnen und nehmen Sie diese Zahl in den Klimaplan auf! 

Durch die Erarbeitung des Klimaplans gehen Sie einen ersten wichtigen und richtigen Schritt, sich der Verantwortung für Klimaschutz zu stellen. Aufgrund des Angriffskrieges Russlands gibt es Stimmen, die ein Verschieben der Klimaschutzziele fordern. Doch ein ungebremstes Voranschreiten der Klimakrise mit ihren katastrophalen Folgen stellt die Menschheit vor viele weitere sicherheitspolitische Herausforderungen. Es ist also gerade jetzt wichtig, den Klimaschutz ernsthaft voranzutreiben. 

Dazu braucht es aber die Festschreibung eines verbindlichen Treibhausgas- bzw. CO2-Budgets für Brandenburg. Nur so können Sie ehrlich aufzeigen, ob der Brandenburger Klimaplan dazu beiträgt, die global beschlossenen Klimaziele zu erreichen, zu denen sich auch der Landtag im Jahr 2020 bekannt hat. Das aktuell gesetzte Ziel „klimaneutral bis spätestens 2045“ allein gibt keine Antwort auf die wirklich klimarelevante Frage: Wie hoch ist die Menge an Emissionen tatsächlich, die in Brandenburg noch ausgestoßen werden? Deshalb fordern wir Sie dazu auf: 

Gehen Sie bei der Erarbeitung des Klimaplans mit der Zeit und nutzen Sie ihn, um das Brandenburger Klimaziel ehrlich zu definieren und anschließend in einem Klimaschutzgesetz festzuschreiben: Mit der maximalen Menge an Treibhausgasemissionen – allen voran CO2 – die Brandenburg noch ausstoßen wird. 

Hierbei wollen wir Sie gerne unterstützen. Für weitere Gespräche und bei Rückfragen stehen wir Ihnen zur Verfügung. 

Mit freundlichen Grüßen

Daniel Acksel 
Ingo Baumstark (Regionalbüro Ost, Fachverband Biogas e.V.) 
Sarah Diering (NAJU Brandenburg e.V.) 
Petra van Dorsten (Deutscher Verband für Landschaftspflege e.V. (DVL)) 
Anna Ducksch (Fridays For Future Brandenburg) 
Stefan Golla (Scientists for Future) 
Sophie Haebel (Energie Forum Potsdam e.V.) 
Gerd Hampel (Fachverband Biogas e.V., Regionalgruppe Berlin-Brandenburg) 
Jan Hanisch (Bündnis Junge Landwirtschaft) 
Filibert Heim (Fridays For Future Brandenburg & JuFoNa) 
Friedrich Koch (Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW) Brandenburg-Berlin e.V.) 
Augustin Köllner (ENERTRAG) 
Axel Kruschat (BUND Brandenburg e.V.) 
Pauline Pautz (Jugendforum Nachhaltigkeit Brandenburg (JuFoNa)) 
Barbara Ral (VCD Brandenburg e.V.) 
Lars Roskoden (BWE Landesverband Berlin-Brandenburg) 
Jana Schelte (Jugendforum Nachhaltigkeit Brandenburg (JuFoNa)) 
Christiane Schröder (NABU Brandenburg e.V.) 
Franziska Sperfeld (BUND Brandenburg e.V.) 
Dr. Franziska Tanneberger (Universität Greifswald/Greifswald Moor Centrum) 
Frederike Timme (Jugendforum Nachhaltigkeit Brandenburg (JuFoNa)) Hanna von Versen (Ökologischer Jagdverein Brandenburg-Berlin e.V.) 
Fritz Viertel (VCD Brandenburg e.V.) 
Sarah Weltecke (ENERTRAG) 
Christian Wessel (ADFC Brandenburg e.V.) 
Michael Wimmer (Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg (FÖL) e.V.) 
Anna Wortberg (Jugendforum Nachhaltigkeit Brandenburg (JuFoNa))


Kontakt:
Jana Schelte (jana.schelte@kijubb.de // 0178 939 3535)
Franziska Sperfeld (franziska.sperfeld@bund.net // 0178 1448239) 


Unterstützt wird das Anliegen von: 

Pietro Altermatt (Scientists for Future) 
Andreas Bangert (Biopark Landwirtschaftsbetrieb Paulinenauer Str. 12 in 14641 Pessin)
Andreas Bergmann (Sprecher Landessprecher*innenrat der Landschaftspflegeverbände (LPV) Brandenburg/Berlin) 
Prof. Dr. Ralf Bloch (HNEE) 
Rudolf Dietmar (Scientists for Future) 
Michael Döscher (Scientists for Future) 
Anita Elpers (Vorstand Neue Energie Genossenschaft eG) 
Katja Geißler (Scientists for Future) 
Christoph Gerhards (Scientists for Future) 
Silke Hansen (Vorstandsmitglied des Landesjugendring Brandenburg e.V. & Mitglied im Nachhaltigkeitsbeirat Brandenburg) 
Dr. Sebastian Helgenberger (IASS Potsdam) 
Karl-Martin Hentschel (Scientists for Future) 
Rana Hoffmann (Scientists for Future) 
Michael Huber (Scientists for Future) 
Prof. Dr. Pierre Ibisch (HNEE) 
Peter Klefka (Scientists for Future) 
Lars Klinkmüller (Scientists for Future) 
Anton Kröber (BUNDjugend Brandenburg) 
Matthias Kruppa (Scientists for Future) 
Prof. Dr. Sven Linow (Scientists for Future) 
Prof. Wolfgang Lucht (Scientists for Future) 
Günter Mügge (Scientists for Future) 
Jens Rasim (Vorsitzender Biopark e.V.) 
Prof. Dr. Dr. h.c. Ortwin Renn (Wissenschaftlicher Direktor am IASS Potsdam & Vorsitzender des Nachhaltigkeitsbeirates Brandenburg) 
Nancy Schacht (Geschäftsführung Demeter im Osten e.V.) 
Thomas Seifert (Scientists for Future) 
Prof. Dr. Uta Steinhardt (Vizepräsidentin der HNEE & Mitglied im Nachhaltigkeitsbeirat Brandenburg) 
Volker Stelzer (Scientists for Future) 
Frank Stieldorf (Vorstandsvorsitzender der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg (FÖL) e.V. & Geschäftsführer der Rheinsberger Preussenquelle GmbH) 
Prof. Dr. Manfred Stock (Scientists for Future) 
Joerg Tremmel (Scientists for Future) 
Matthias Tremmel (Scientists for Future) 
Dr. Anne Ulrich (Wiss. Mitarbeiterin für Mensch-Umwelt-Forschung) 
Urban Weber (Scientists for Future) 
Prof. Dr. Martin Welp (HNEE) 
Jana Werner (Biokreis Nord-Ost e.V.) 
ADFC Brandenburg e.V. 
Arbeitsgemeinschaft Natur und Umweltbildung Brandenburg (ANU) e.V. 
Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW) Brandenburg-Berlin e.V. 
Biokreis Nord-Ost e.V. 
Biopark e.V. 
BUND Brandenburg e.V. 
Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) Landesvertretung Berlin Brandenburg 
Bundesverband WindEnergie e.V. (BWE) Landesverband Berlin/Brandenburg 
Bündnis Junge Landwirtschaft e.V. 
Bürgerinitiative StadtTeilAuto Potsdam 
Demeter im Osten e.V. 
Deutscher Verband für Landschaftspflege e.V. 
Energie Forum Potsdam e.V. 
Evangelische Jugend Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz 
Extinction Rebellion Potsdam 
Fachverband Biogas e.V., Regionalgruppe Berlin-Brandenburg 
Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg (FÖL) e.V. 
Fridays For Future Brandenburg 
Grüne Liga Brandenburg e.V. 
Jugendforum Nachhaltigkeit Brandenburg (JuFoNa) 
Klimainitiative Schwielowsee 
Kinder- und Jugendparlament Rathenow 
NABU Brandenburg e.V. 
NAJU Brandenburg e.V. 
NaturFreunde Landesverband Brandenburg e.V. 
NaturFreunde Jugend Brandenburg 
Ökologischer Jagdverein Brandenburg-Berlin e.V.
Parents for Future Brandenburg 
Potsdam Zero 
Scientists for Future – Fachgruppe Energie 
Tschüss Erdgas Potsdam 
Umweltclub Wandlitz 
VCD Brandenburg e.V. 
VENROB e.V. 
Villa Fohrde e.V.

 

Endnoten 

i https://mluk.brandenburg.de/sixcms/media.php/9/ZwBericht-Gutachten-KlimaplanBB_finale%20Fassung.pdf 
ii https://www.umweltbundesamt.de/daten/umweltindikatoren/indikator-emission-von-treibhausgasen#wie-ist-die-entwicklung-zu-bewerten 
iii Der Weltklimarat hat sich auf CO2 konzentriert. Es heißt aber im Bericht, dass das CO2-Restbudget auch kleiner oder größer sein kann, je nachdem wie sich die Emissionen anderer Treibhausgase wie beispielsweise Methan entwickeln. 
iv Seitdem sind bereits 28 Monate vergangen. Bei globalen Emissionen von aktuell 35-36 GT/ Jahr sind das ca. 80-85 GT CO2, die wir bereits verbraucht haben. 
v IPCC (2020) AR6 Climate Change 2021: The Physical Science Basis: https://www.ipcc.ch/report/ar6/wg1/downloads/report/IPCC_AR6_WGI_Full_Report.pdf (SPM, S. 38) 
vi Drucksache 7/1420(ND)-B 
vii https://mluk.brandenburg.de/mluk/de/ueber-uns/minister/rede-vom-25-06-2021/  

Weiterführende Literatur  

Globales THG-Restbudget: 

  • Erste Berechnung eines globalen Restbudgets ab dem 1.1.2018: IPCC (2018) SR1.5: Special Report on Global Warming of 1.5°C. An IPCC Special Report on the impacts of global warming of 1.5°C above pre-industrial levels and related global greenhouse gas emission pathways, in the context of strengthening the global response to the threat of climate change, sustainable development, and efforts to eradicate poverty. (S. 108) 
  • Zweite Berechnung eines globalen Restbudgets ab dem 1.1.2020: IPCC (2020) AR6 Climate Change 2021: The Physical Science Basis https://www.ipcc.ch/report/ar6/wg1/downloads/report/IPCC_AR6_WGI_Full_Report.pdf (SPM, S. 38) 

Webseite mit Informationen zum THG-Restbudget: https://www.klima-retten.info/Review.html 

Deutsche Übersetzung des Pariser Klimaschutzabkommens: https://www.bmuv.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Klimaschutz/paris_abkommen_bf.pdf  


Was tun nach dem Fichten-Sterben?


Die Brandenburg-Berliner Landesgruppen von ANW und ÖJV diskutierten während ihrer Harz-Exkursion verschiedene Ansätze

Von Katharina Bauckmeier

Im September 2021 besuchten Mitglieder von ANW und ÖJV Brandenburg-Berlin die Stadt Wernigerode im Harz. Wernigerode ist die neue Wahlheimat von Jürgen Rosemund, dieser wiederum ist seit Jahren in beiden Vereinen aktiv, im ÖJV war er Gründungsmitglied, in der ANW-Landesgruppe jahrelang Geschäftsführer. Er hatte zu dieser Reise eingeladen und das Programm organisiert. 

Kernfrage dieser Tage war der (naturgemäße) Umgang mit weiträumigen Fichtenkalamitätsflächen. Um uns einen Eindruck von der Situation und den verschiedenen Herangehensweisen zu verschaffen, besuchten wir Wald in drei unterschiedlichen Besitzverhältnissen: 

Nach unserer Ankunft am Freitag führte uns Michael Selmikat, der Leiter des Stadtforstes Wernigerode, zusammen mit Marco Wolf durch den zum Stadtforst Wernigerode gehörenden „Tiergarten“. Dieser war früher ein für die gräfliche Hatz eingezäuntes Jagdgebiet der Familie Stollberg-Wernigerode (Förderverein Wildpark Christianental, 2011). Später bekam der Tiergarten dann einen eher parkähnlichen Charakter, heute ist er Teil des Baudenkmals „Schloss Wernigerode mit umgebendem Tiergarten“. Obwohl der Stadtforst Wernigerode zu 56 Prozent Fichte im Oberstand aufzuweisen hat(te) (Stand 2019), besichtigten wir nur den mit Laubholz bestockten Teil (Abbildung 1). Natürlich waren die Exkursionsteilnehmer:innen sehr neugierig, wie mit den Fichtenflächen umgegangen wird, sodass wir im Gespräch auch darüber einiges herausfinden konnten (mehr dazu unten). Beim Abendessen im Schloss Wernigerode (Abbildung 2) sowie dem anschließenden Stadtbummel und Barbesuch konnten wir uns angeregt über das Gesehene und Gehörte austauschen. 

Der Samstag war dem Privatwald und dem Nationalpark gewidmet. So besuchten wir am Vormittag Stefan Wern, den Leiter des ca. 750 ha großen Reviers Hasserode/Harz. Dieses gehört zum Forstbetrieb Fürst zu Stollberg-Wernigerode, der sich auf mehr als 3.000 ha klar der Erwerbswirtschaft verschrieben hat. Das Revier Hasserode hatte ehemals einen Fichtenanteil von mehr als 75 Prozent aufzuweisen – drei Viertel davon sind bereits abgestorben. 

Nach dem Mittagessen im Natur-Erlebniszentrum HohneHof besichtigten wir zusammen mit Henning Möller einen Teil des Nationalparks Harz. Henning Möller ist dort Förster sowie Leiter der Naturparkwacht und zuständig für 25.000 ha. Der Nationalpark verfolgt – im Gegensatz zum Forstbetrieb am Vormittag – keine wirtschaftlichen Interessen: 72 Prozent des Nationalparks gelten als unbewirtschaftete Naturdynamikzone. Auf der restlichen Fläche, der Naturentwicklungszone, laufen noch Waldentwick-lungsmaßnahmen hin zu mehr naturnahen Wäldern. Durch den direkten Vergleich der Herangehensweisen sind uns die Unterschiede in der Bewirtschaftung besonders deutlich geworden: 


Wie wird mit Totholz umgegangen?

Am „radikalsten“ erschien uns die Methode im Stadtforst. Dort lautet die Devise, abgängige Flächen immer zu beräumen, sofern es geländetechnisch möglich ist. 500 der betroffenen 800 ha sind mittlerweile kahl. Im Privatwald scheint dies nicht so konsequent zu erfolgen (Abbildung 3). Die abgestorbene Fichte wird beispielsweise auf schwer zugänglichen Flächen (Nässe, Blocküberlagerung, …) als Schirm genutzt. Von den geräumten Flächen wurden 40 Prozent mit dem Seilkran bearbeitet. 

Abb. 3: Abgestorbene Fichten im Revier Hasserode/Harz des Privatforstbetriebes Fürst zu Stollberg-Wernigerode.
Im Hintergrund kann man den Nationalpark Harz sehen 
(c) Katharina Bauckmeier
Abb. 4: Im Nationalpark Harz werden die toten Fichten weitestgehend der natürlichen Dynamik überlassen
(c) Katharina Bauckmeier 

Eine spannende Diskussion entwickelte sich, als bekannt wurde, dass die Beräumung ohne den Bezug von Fördermitteln in Höhe von 10 Euro/Fm nicht oder nur knapp kostendeckend gewesen wäre. Werden die Fördermittel damit ihrem Zweck gerecht? Sollten Fördermittel der Anlass für solche Maßnahmen sein dürfen? Wie kann man noch rechtfertigen, bereits abgestorbene (nicht mehr fängische) Fichte flächig zu räumen, wenn man weder ökologische noch ökonomische Vorteile erwarten kann?  

Aus gänzlich anderen Beweggründen musste auch der Nationalpark einige Flächen per Harvester kahlschlagen: In einem 500 Meter breiten Sicherungsstreifen an der Nationalpark-Außengrenze sind ebenfalls Freiflächen entstanden, um eine Verbreitung des Borkenkäfers in angrenzende Wälder einzudämmen – obwohl die Flächen teilweise zur Naturdynamikzone gehören (Fußnote 1). Über die Wirksamkeit dieser Maßnahmen herrscht wohl Uneinigkeit – besonders bei angrenzenden Waldbesitzer:innen. In den anderen Bereichen des Nationalparks werden die toten Fichten der Natur überlassen (Abbildung 4). 

Auffällig war für uns, dass nirgendwo ein dauerhaftes Feinerschließungssystem zu erkennen war. Der Nationalpark verzichtet aufgrund der Geländebeschaffenheit und der Einmaligkeit des Eingriffs sogar gänzlich auf ein Rückegassensystem. 


Bodenbearbeitung – ja oder nein? 

Während im Privatwald auf Bodenbearbeitung mit flächiger Befahrung verzichtet wird, wird im Stadtforst gefräst oder gebaggert, wann immer es technisch möglich ist – und zwar mit der Pein-Plant (Abbildung 5) oder einem Rotary-Bagger. Im Nationalpark spielt dieses Thema keine Rolle, da die Natur ihrer eigenen Dynamik überlassen wird. 

Abb. 5: Pflanzvorbereitung mit dem Pein-Plant-Verfahren 
Quelle: Dezernat Stadtentwicklung (Stadtbetriebsamt/Stadtforst) (2021, S. 93) 


Vorwaldstadien und Begleitvegetation

Im Revier Hasserode (Privatwald) sprachen wir ausführlich über die positiven Effekte von Pionierbaumarten (hier besonders der Birke). Diese samt sich auf den freien Flächen sehr schnell an, bedeckt erst einmal den Boden, beeinflusst damit das Mikroklima positiv und hat einen guten Einfluss auf die Begleitflora. Die Birke wird freudig begrüßt, und ihre Effekte in den ersten Jahren werden gern genutzt. Später soll sie aber im Rahmen der Pflege größtenteils zugunsten der gewünschten Hauptbaumarten (Gemeine Fichte, Europäische Lärche und Douglasie) entnommen werden. 

Im Stadtwald hingegen scheinen Pionierstadien nicht gern gesehen zu werden. Anstelle von „Vorwald“ spricht man hier von „Scheinbestockung“. 


Nun zur vermutlich spannendsten Frage: Wie werden die Flächen wieder in Bestockung gebracht? 

Im Nationalpark wurden in den letzten Jahren lediglich Initialpflanzungen vorgenommen, um der Entwicklung hin zur potenziell natürlichen Vegetation (2) „auf die Sprünge zu helfen“ (→ Samenbäume). Dazu wurden auf ca. 25 Prozent der Fläche gruppen- und horstweise Rot-Buchen eingebracht – teilweise als Voranbau unter Fichte (ca. 3.000 Stück/ha). Kleinflächig wurden auch Berg-Ahorn und Erle gepflanzt. Diese werden jedoch vom Rotwild (3) kräftig verbissen und geschält. 

Ganz anders die Situation im Stadtforst: Hier wird außerhalb der Steillagen flächig gepflanzt. Und zwar hauptsächlich Douglasie und Lärche, teilweise auch Berg-Ahorn und Eiche. Fichten-Naturverjügung soll übernommen werden. Buche wird nicht gepflanzt. Die Möglichkeit, Kulturen bei Bedarf zu spritzen, wird in Betracht gezogen. Auf diese Art und Weise sollen jedes Jahr 60 ha aufgeforstet werden, sodass die kahlen 500 bis 600 ha in zehn Jahren wieder bestockt sind. 

Diese Herangehensweise erntete Kritik von der Gruppe. Die Eignung von Fichte, Lärche und Douglasie als klimasichere Baumarten wurde in Frage gestellt, als Alternativen wurden Eiche, Linde oder Tanne vorgeschlagen. Weiterhin wurde der flächige Ansatz bemängelt: Die Maßnahmen zur Wiederbewaldung scheinen überwiegend mit dem Hintergedanken an „bestandesbildende“ Baumarten zu erfolgen. Viel besser erschienen der Gruppe kleinflächige Mischungen – sonst entwickeln sich die Flächen in den nächsten Jahren wieder zu 600 ha einschichtigem, gleichaltrigem Wald, der zwar aus mehreren Baumarten besteht, deren Mischung auf der Fläche jedoch trotzdem einförmig wäre. 

Etwas naturgemäßer scheint das Vorgehen im Privatwald. Dort wird zu großen Teilen mit der Naturverjüngung gearbeitet und ergänzend gepflanzt (teilweise im Revier geworbene Wildlinge). Außerdem werden Verfahren zur Saat ausprobiert. 

Abb. 6: Die Exkursionsgruppe zwischen zwei Naturverjüngungsflächen 
(c) Jürgen Rosemund

Um zu demonstrieren, wie die frisch abgestorbenen Flächen in ca. 15 Jahren aussehen könnten, zeigte uns Stefan Wern Wiederbewaldungsflächen nach Abgängen aus den Jahren bis 2008 (Borkenkäfer, Windwurf). Diese wurden komplett der natürlichen Sukzession überlassen. Heute sieht man dort eine bunte Mischung aus Birke, Fichte, Lärche, Eberesche, Douglasie und vereinzelt Buche und Ahorn (Abbildung 6 und 7). Eingegriffen wird dort erst, wenn bei einer Pflege ein neutraler oder positiver Deckungsbeitrag erzielt werden kann. In den ersten Jahren differenzieren sich die Bäume selbst aus (→ Nutzung der biologischen Automation). Später ist es jedoch notwendig, die Flächen zu pflegen, um das Betriebsziel – gemischte Wälder, jedoch weiterhin mit Fokus auf die Nadelholzproduktion – erreichen zu können (4).

Bei einer Pflege wird das Nadelholz selektiv herausgearbeitet. Die Lärche wird im Betrieb sehr positiv bewertet und soll die Fichte auf einigen Standorten ablösen. Die Douglasie soll in Maßen in die Mischbaumstrategie eingebunden werden. Der Fichte wird prognostiziert, dass sie zwar an Fläche verlieren wird, aber zukünftig trotzdem die dominierende Baumart bleiben wird. Um die Mischung zu bewahren, werden einige Laubbäume bei der Pflege begünstigt. Auch die ein oder andere vorwüchsige Birke wird gefördert. Die Kosten der Pflege belaufen sich auf ca. 600 bis 1.000 Euro/ha. 

Abb. 7: Nach Abgängen bis 2008 aus Naturverjüngung entstandene Sukzessionsfläche im Revier Hasserode/Harz. Quelle: Wern (2021, S. 11)

In einem anderen Bestand wurden Löcher in der Naturverjüngung mit Douglasie ergänzt, um zu testen, ob sie dem Verbiss- und Schäldruck durch das Rotwild standhält. Ergebnis: Ja. Dies war von Interesse, weil sich mit der Zeit Douglasien-Inseln über die Betriebsfläche etablieren sollen, die sich in Zukunft selbst verjüngen sollen. 

An einem dritten Exkursionspunkt wurden uns die Ergebnisse eines innovativen Saatverfahrens gezeigt: Mit einem an den Kranausleger eines Kettenbaggers montierten T-Stück wurden minimalinvasiv Saatrinnen in 1,5 bis 2 Metern Abstand gezogen. Der Kettenbagger bewegte sich dabei ausschließlich auf den vom Harvester hinterlassenen Reisigmatten. Anschließend wurde mit Hilfe von Plastikflaschen, deren Deckel mit einem Loch versehen wurden, Fichte, Lärche und Douglasie gesät. Eigentlich sollte die Mischung durch die Tanne ergänzt werden, entsprechendes Saatgut war jedoch nicht erhältlich. Vorteil der Saatrinnen ist, dass die hier bis zu 10 Zentimeter mächtige Streuauflage aufgebrochen wurde, die Saatkörner in den Rinnen vor Windverwehung geschützt sind und Feuchtigkeit in den Rinnen länger erhalten bleibt. Im weiteren Verlauf soll sich die bisher gut aufgelaufene Saat (Abbildung 8) selbst mit Naturverjüngung ergänzen. Später, wenn sich die Bodensituation etwas beruhigt hat, ist die Pflanzung weiterer Baumarten angedacht. Dies bezieht sich besonders auf Laubholzarten, deren Kultivierung auf Freiflächen sowieso eher schwierig und kostenintensiv ist. Die Kosten für die Saat (Bagger + Saatgut + Ausbringung) belaufen sich auf ca. 1.300 Euro/ha. 

Abb. 8: In den Saatrinnen auflaufende Saat im Revier Hasserode/Harz 
(c) Katharina Bauckmeier

Die gesamte Herangehensweise des Fürst zu Stollberg-Wernigerodischen Betriebes erschien uns (besonders im direkten Vergleich) innovativer und naturgemäßer. Trotzdem liegt auch hier der Fokus weiterhin auf dem Nadelholz – vor allem auf Fichte und Lärche (sowie Douglasie). Ob dies zukunftsfähig ist, wird sich zeigen. Es scheint schwer vorstellbar, dass sich die Fichte teilweise einfach durch die Lärche ersetzen lässt. Letztere mag zwar weniger sturmanfällig sein, benötigt jedoch ebenfalls relativ hohe Niederschlagsmengen, verträgt keine Staunässe und hat eine schlecht zersetzbare Nadelstreu (Forster, Falk & Reger, 2019, S. 45-47). Außerdem gibt es natürlich auch für die Lärche mehrere angepasste Borkenkäfer-Arten. Kritisch bleibt, dass die Fichte weiterhin die Hauptbaumart bleiben soll, auch wenn im Betrieb die Beobachtung gemacht wurde, dass die Fichte (anders als teilweise in den Medien dargestellt) ein „Überlebenskünstler“ sei. 

Die Frage, die sich im Zuge des Klimawandels stellen wird, ist meiner Meinung nach nicht, wie wir mit dem Wald möglichst viel Profit erzielen können, sondern ob wir überhaupt noch Wald haben werden. Jetzt weiterhin vorrangig auf die Holzproduktion zu setzen, kann nicht die Lösung sein. Naturgemäße, nach bestem Wissen und Gewissen an die anstehenden Klimaveränderungen angepasste Wälder sollten das Ziel sein – und das scheint weder im Stadt- noch im Privatwald der Fall zu sein (6). (Die Beweggründe im Nationalpark sind gänzlich andere und daher nicht vergleichbar.) 



Fazit

An nur zwei Tagen im Harz haben wir jede Menge gesehen, gehört und erlebt. Vieles davon hat – gerade durch den direkten Vergleich – zum Nachdenken angeregt und durch wiederholte Reflexion im Gespräch mit Fachkundigen als auch „forstlichen Laien“ noch lange nachgewirkt. Die Entwicklungen im Harz sind ein Thema von aktuellem Interesse, wie man im Gespräch immer wieder feststellen kann. 

Ich persönlich erfahre das Ausmaß der Veränderungen vermutlich nicht so intensiv wie einige von uns, weil ich den Harz im „grünen“ Zustand leider nie erlebt habe. Trotzdem sind die Bilder auch für mich erschreckend. Das Ausmaß der Schäden in diesem Gebiet zwingt zum Umdenken. Vielleicht liegt darin eine Chance für zukünftige Waldentwicklung. 

Im Namen der Gruppe möchte ich mich bei unseren Exkursionsleitern Michael Selmikat, Marco Wolf, Stefan Wern und Henning Möller, sowie ganz besonders bei Jürgen Rosemund für die gelungene Exkursion bedanken! 

Abb. 9: Unsere Exkursionsgruppe, bestehend aus ANW- und ÖJV-Mitgliedern vor unserer Unterkunft „Hotel am Schlosspark“
(c) Monika Stiehl 


Fußnoten

  1. Mittlerweile wird an einigen Stellen der Sicherungsstreifen in den angrenzenden Landeswald „ausgeklappt“, damit im Nationalpark die eigentlich angedachte, ungehinderte Naturentwicklung stattfinden kann.  
  2. Im Nationalpark Harz größtenteils Buchenwaldgesellschaften, Bergmischwald aus Buche und Fichte sowie Fichtenwald ab über ca. 700 bis 800 m ü. NN (FISCHER, NICOLAI & TOLKMITT, o. D., S. 2; NATIONALPARKVERWALTUNG HARZ, 2007, S. 16f.  
  3. Das Rehwild spielt durch die vorhandene Luchs-Population im Harz eine eher untergeordnete Rolle.
  4. Referenzflächen haben gezeigt, dass die Flächen bei unterlassener Pflege mittelfristig komplett von der Birke übernommen werden.  
  5. Laut Aussagen von Stephan Wern stellen sich die Abnehmer teilweise auf die Birke ein. Mit 30-jähriger Birke im PAL-Sortiment lassen sich nach seiner Aussage Preise von bis zu 65 €/Fm erzielen. Außerdem könnten Birke und Buche perspektivisch bei der Kunststoffherstellung mit verwendet werden.  
  6. Natürlich geben ökonomische und politische Gegebenheiten einen anderen Handlungsrahmen vor (notwendige Wirtschaftlichkeit eines Betriebes, welche Leistungen werden wie finanziell in Wert gesetzt etc.) – aber dies ist eine Grundsatzdiskussion, die hier nicht vertieft werden soll.    


Literaturverzeichnis

FISCHER, S., NICOLAI, B. & TOLKMITT, D. (Hrsg.). (o. D.). Die Vogelwelt des Landes Sachsen-Anhalt. Abgerufen am 27. Oktober 2021 von Darstellung der naturräumlichen Voraussetzungen für die Besiedlung des Landes durch Vögel. Landschaften und ihre historische sowie aktuelle Besiedlung durch Vögel. Harz: http://www.vogelwelt-sachsen-anhalt.de/#accordion; http://www.vogelwelt-sachsen-anhalt.de/pdf/2.5%20Harz.pdf 

FÖRDERVEREIN WILDPARK CHRISTIANENTAL E.V. (2011). Wildpark Christianental. Abgerufen am 23. Oktober 2021 von Einst und Heute – Die Geschichte des Tierparkes: https://www.christianental.de/geschichte.html 

FORSTER, M., FALK, W. & REGER, B. (2019). Klima – Boden – Baumartenwahl. Praxishilfe. (LWF Bayern, Hrsg.) Oberbergkirchen. 

NATIONALPARKVERWALTUNG HARZ (Hrsg.). (2007). Walddynamik und Waldumbau in den Entwicklungszonen von Nationalparks. Tagungsbericht zum Wald-Workshop des Nationalparks Harz. Schriftenreihe aus dem Nationalpark Harz. Abgerufen am 27. Oktober 2021 von https://www.nationalpark-harz.de/de/downloads/schriftenreihe/Band01_Walddynamik-und-Waldumbau.pdf 

DEZERNAT STADTENTWICKLUNG (STADTBETRIEBSAMT/STADTFORST) (Hrsg.). (18. Oktober 2021). Stadtforst Wernigerode. Verwaltungsbericht 2020 der Stadt Wernigerode, S. 92-97. Abgerufen am 1. November 2021 von wernigerode.de: https://www.wernigerode.de/media/custom/3098_8310_1.PDF?1634652312 

Waldentwicklung. (2020). In NATIONALPARKVERWALTUNG HARZ (Hrsg.), Nationalpark Harz. Tätigkeitsbericht 2020 (S. 36 – 45). Abgerufen am 27. Oktober 2021 von https://www.nationalpark-harz.de/de/downloads/taetigkeitsberichte/Taetigkeitsbericht_NationalparkHarz_2020.pdf 

WERN, S. (2021). Exkursion zum Thema Waldbewirtschaftung im Harz. Ziele und Strategien für die zukünftige Entwicklung in einem privaten Forstbetrieb unter Berücksichtigung sich verändernder Umweltbedingungen insbesondere von Wetter und Klima [unveröffentlicht]. Wernigerode. 

Stellungnahme zum Entwurf des neuen Landesjagdgesetzes:

„Jagd hat dem Interesse der Eigentümer und der Gesellschaft an klimastabilen, vitalen Wäldern zu dienen“

Die ANW Brandenburg-Berlin äußert sich gemeinsam mit NABU, BUND, Grüner Liga, Waldbauernverband und Ökologischem Jagdverein (ÖJV) zu den aktuellen Plänen des MLUK für das neue Landesjagdgesetz. Hier lesen Sie die vollständige Pressemitteilung


Potsdam, 4. März 2022  In einem gemeinsamen Schreiben der vorgenannten Verbände vom 8.12.20 an Minister Axel Vogel, die Mitglieder des Ausschusses für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz sowie die Fraktionsvorsitzenden der demokratischen Parteien im Brandenburger Landtag hatten die Verbände Anforderungen an ein zukunftsfähiges Jagdgesetz formuliert, welches insbesondere einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung klimastabiler und leistungsfähiger Wälder, zur Sicherung einer ordnungsgemäßen Landwirtschaft und eine Unterstützung von Lebensraum- und Artenschutz leisten soll und muss.

Eine der wesentlichsten Forderungen der Verbände war, dass „jeder Eigentümer/jede Eigentümerin – unabhängig von der Flächengröße bzw. ab 1 ha und geeigneter Flächenform – auf seinem/ihrem Eigentum jagen darf“ Mal abgesehen davon, dass diese Forderung dem demokratischen Grundverständnis von Rechten und Pflichten des Eigentums in Deutschland folgt, ist es in vielen anderen Ländern gängige Praxis.  Jede darüber hinaus gehende Flächengröße führt dazu, dass eine Vielzahl von Eigentümern ihr Jagdrecht weiterhin nicht ausüben kann. So bedeutet z.B. eine Festlegung von 10 ha, dass zwar 61 % der privaten Waldfläche durch die jeweiligen Eigentümer*innen bejagt werden können, aber weiterhin 93 % der privaten Waldbesitzer diese Möglichkeit verwehrt bleibt.  Deshalb werden wir uns weiterhin dafür einsetzen, dass eine Bejagung von Eigentumsflächen ab 1 ha möglich sein wird.

Um zu verstehen, weshalb der Aspekt einer konsequenten (Rück)Übertragung des Rechtes an die Eigentümer, auf ihren Flächen selbst zu jagen, von elementarer Bedeutung ist, muss man zur Kenntnis nehmen, dass mit der Etablierung des Pachtjagdsystems und einer damit einhergehenden quasi Enteignung der Eigentümer*innen ein unlösbarer Interessenkonflikt entstanden ist. Es war auch in vorangegangenen Jagdgesetzen im Gesetzeszweck formuliert, dass Schäden in der Land- und Forstwirtschaft zu vermeiden sind und Wildbestände so zu regulieren sind, dass eine Waldverjüngung möglich ist. In der vorliegenden Entwurfsfassung zum Landesjagdgesetz ist diese Forderung noch einmal geschärft worden. Folgerichtig stellt der Vorsitzende des ÖJV Brandenburg/Berlin, Mathias Graf von Schwerin klar: „Jagd ist kein Selbstzweck, sondern integraler Teil einer Land- und Forstwirtschaft, die durch den Klimawandel vor gewaltigen Herausforderungen steht. Insbesondere hat sie dem Interesse der Eigentümer und der Gesellschaft an klimastabilen, vitalen Wäldern zu dienen.“

Die Entwicklung der Wildbestände in Brandenburg und die vorgelegten Ergebnisse der Bundes- bzw. Landeswaldinventur (50% aller jungen Bäume sind verbissen!) belegen eindeutig, dass diese Verpflichtung den allermeisten Jagdpächtern egal war. Dass die diesbezüglichen Probleme systemimmanent sind, bestätigt im Übrigen selbst der Deutsche Jagdverband (DJV) in einer Broschüre aus dem Jahr 2020 – „Lösungsansätze im Forst-Jagd-Konflikt“ (siehe S. 49).

Die Entkopplung von Eigentum und Jagd und der damit einhergehende Zielkonflikt (z.B. keine Schäden in der Landwirtschaft, artenreiche Waldverjüngung vs hohe Wildbestände, Trophäenjagd) haben zur jetzigen Situation mit hohen Wildschäden in der Land-und Forstwirtschaft geführt. Bezogen auf den Wald ist das sehr bedenklich und risikobehaftet, denn es hat dazu geführt, dass Wald in Größenordnungen nicht nachhaltig verjüngt werden kann, geschweige denn ein für unser Überleben existenziell notwendiger klimastabiler Mischwald entstehen kann.

Unserer Auffassung nach lässt sich diese große Herausforderung nur bewältigen, wenn die Rechte und Pflichten der Eigentümer endlich auch durch die entsprechenden Instrumente unterstützt werden und das ist in diesem Zusammenhang die Möglichkeit, auf Eigentumsflächen grundsätzlich selbst zu entscheiden, wer in welcher Art und Weise und mit welcher Zielsetzung dort jagt. Damit muss die Jagd zu einem Dienstleister für eine zukunftsfähige Landnutzung werden. Enno Rosenthal, Vorsitzender des Waldbauernverbandes Brandenburg unterstreicht: „Mit unserem gemeinsamen Vorschlag zur Jagdrechtsänderung sollen Land und Waldwirtschaft mit dem Wildtiermanagement durch die Eigentümer*innen zukünftig besser zusammengeführt werden. Natur und Gesellschaft erweisen wir damit einen guten Dienst.“

In der jetzt beginnenden formalen Beteiligung aller Verbände, Organisationen bzw. Institutionen werden sicher noch eine Vielzahl von Detailfragen und Formulierungen zu diskutieren sein. Insgesamt aber stellt der vorgelegte Gesetzentwurf eine gute Grundlage für ein modernes und zielführendes Jagdgesetz dar und die hier genannten Verbände werden den damit verbundenen, längst überfälligen Paradigmenwechsel nach Kräften unterstützen. Es muss aber betont werden, dass eine Überarbeitung des alten Jagdgesetzes in homöopathischen Dosen diesen Paradigmenwechsel nicht herbeiführen würde.  Um es abschließend noch einmal auf den Punkt zu bringen, die Aufgabe, vor der wir in Brandenburg stehen, ist gewaltig: Noch immer müssen in Brandenburg etwa 500.000 Hektar Kiefernforste zu klimaangepassten Mischwäldern umgebaut werden. Das ist in der notwendigen Geschwindigkeit allein durch Pflanzungen nicht zu schaffen. Zurzeit werden jährlich 2.140 Hektar Forst in Mischwald umgewandelt. Bei dieser Geschwindigkeit würde es noch 234 Jahre dauern, bis das Umbauziel erreicht ist. Deshalb ist es zu begrüßen, dass die Landesregierung zukünftig vermehrt auf natürliche Verjüngung setzen will. Allerdings wird die Verjüngung durch zu hohen Wildbestand verhindert. Dem kann durch eine Stärkung der Eigenverantwortung von Grundeigentümern – insbesondere bei der Jagdausübung – begegnet werden“, so Carsten Preuß, Vorsitzender des BUND Brandenburg.



Fragen dazu richten Sie gern an Dietrich Mehl, Vorsitzender der ANW-Landesgruppe Brandenburg-Berlin
Telefon: 033367 / 70129
E-Mail: dietrich.mehl@web.de


https://anw-brandenburg.de/2021/06/23/zukunftsfaehige-jagd-fuer-einen-zukunftsfaehigen-wald/(öffnet in neuem Tab)


Junge Waldschützer


Die ANW Brandenburg-Berlin hat schon zum zweiten Mal ein Schulprojekt in Georgien unterstützt: Mädchen und Jungen aus einer Dorfschule im Hochgebirge Adschariens erkundeten den Wald und lernten, was er für seine Gesundheit braucht. Kartlos Manvelidze, Dolmetscher vor Ort, hat darüber einen Bericht geschrieben

Wozu Durchforstungen? Warum werden auch Bäume krank? Und wie schützt man Bären?
Schüler aus dem Hochgebirge Adschariens erkunden mit dem Dorfförster den Wald

Der dänische Verein „Freunde von Georgien in Dänemark“ und die ANW Brandenburg-Berlin hatten schon 2019 ein Schulprojekt dieser Art in Adscharien finanziert. Am Ende des Sommers 2021 war die Zeit reif für eine zweite Runde „Junger Waldschützer“. Die Pandemie in Georgien ließ ein wenig nach, die Schulen wurden geöffnet. In Kooperation mit dem lokalen Forstamt und dem Ressourcen-Zentrum für Bildung wurde diesmal die Dorfschule Ghurta im Hochgebirge Adschariens ausgewählt. Die Schule nutzte immer noch die Bücher und Geräte aus der Sowjetzeit. Das Projekt wurde programmgemäß erfolgreich durchgeführt. Es wurden sogar zusätzliche Umweltbildungsaktivitäten geplant und abgewickelt.

Maßgeschneiderte Ausrüstung

Zuerst gab es ein Treffen mit der Schulleitung. Als lokale Koordinatorin wurde die Biologielehrerin gewählt, Marina Ghorjomeladze.  Zudem wurde das Projekt durch Diskussion verbessert und noch stärker an die Bedürfnisse der Schule angepasst. Anstelle von Karten und Postern wurden beispielsweise Bücher gekauft. Außerdem ein Mikroskop, Sezierbesteck, eine Wetterstation, ein GPS-Gerät und einiges mehr.

Bücher, Karten, Mikroskop – eine große Lieferung aus Dänemark und Deutschland

Moderne Umweltbildungsgeräte sind in Georgien nicht zu kaufen, oder sie sind dreimal so teuer wie im EU Raum. Aus diesem Grund wurden einige Geräte in Deutschland online bestellt und nach Dänemark an Torben Ravn geliefert. Torben Ravn, Vorsitzender des Vereins „Freunde von Georgien in Dänemark“, reiste im Oktober 2021 nach Georgien und transportierte die Sachen mit dem Koffer im Flugzeug. Dadurch wurden teure Zoll- und Versandkosten gespart. Mit den gesparten Geldern konnten zusätzliche Bücher eingekauft werden.

Riesige Nachfrage bei den Schülern

38 der insgesamt 87 Gesamtschüler haben sich auf einen Platz im Projekt beworben. Aufgrund der hohen Nachfrage wurden für die Gründung des Eco-Clubs 15 Schülern nach folgenden Kriterien ausgewählt:

1. Altersgruppe von 13 bis 17 Jahren
2. Beste Noten im Bereich Biologie, Botanik, Geographie und Naturkunde
3. Rekommandationen der lokalen Koordinatorin (die Biologielehrerin)

Die fleißigste Schülerin, Nata Ghorjomeladze, wurde als interne Leiterin des Eco-Clubs gewählt. Ihre Aufgabe war es, die neuesten Informationen des Projekts im Eco-Club zu verbreiten und zu kontrollieren, dass jedes Mitglied seine Aufgabe erfühlt.   

Der Eco-Club vor der Dorfschule von Ghurta

Eine Wetterstation für die ganze Region

Am 11.10.2021 wurde mit Hilfe des Schuldirektors die Wetterstation direkt auf dem Schulhof an prominenter Stelle installiert. Der Direktor sagte: „Dies ist die einzige Wetterstation in der Gegend. Unser Dorf und die umliegenden Siedlungen werden endlich genauere Klimadaten haben, dies wird die lokale Landwirtschaft einfacher machen!“ Die Wetterstation ist also nicht nur für die Schule, sondern auch für diese und die umliegenden Dörfer von großer Bedeutung.

Aufbau der Wetterstation

Nachdem die Wetterstation aufgebaut und die Funktionen überprüft waren, gab es das erste Treffen mit dem Eco-Club. Die Ziele des Projekts und anstehende Aktivitäten wurden dem Eco-Club vorgestellt. Anschließend wurden neue Bücher gezeigt und die Funktionsweise der einzelnen Geräte erklärt: Gemeinsam mit den Schülern wurde das Mikroskop aufgebaut und eine Pflanzenzelle observiert.

Abschließend wurde den Schüler die Funktionsweise der Wetterstation erklärt und die Aufgabe gestellt, täglich abwechselnd die Klimadaten der Wetterstation aufzunehmen und in einer vorgefertigten Tabelle zu dokumentieren. Die Schüler wussten aus dem Erdkundeunterricht, was die Lufttemperatur, Niederschlag, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit bedeuten.

Die Mitglieder des Eco-Clubs haben die Klimadaten vom 11. Oktober bis 11. November sorgfältig aufbewahrt. Dann haben Sie zusammen die Mittelwerte der gespeicherten Daten berechnet:


Tabelle 2. Ergebnisse von Klimaforschung im Dorf Ghurta (11 Oktober – 11 November)

Lufttemperatur (°C)Luftfeuchtigkeit (%)Luftdruck (mbar)Niederschlagsmenge (mm)
7,9641021,3134


Besuch aus Dänemark

Torben Ravn, der im Oktober nach Georgien kam, ist Förster von Beruf. Während seines Aufenthalts in Adscharien besuchte er die Dorfschule Ghurta und hielt ein Seminar für die Schüler vor Ort. Die Veranstaltung wurde spontan am 13. Oktober 2021 vom CEDF-Team und der Schulverwaltung organisiert. Die Veranstaltung wurde sogar von Hauptsender Adjariens (Adjara TV) aufgenommen. Auch in der Lokalpresse machte das Schlagzeilen.

Diskussion mit Förster Torben Ravn aus Dänemark

Das Seminar fand im Hinterhof der Schule statt. Torben Ravn erzählte den Schüler von den Wäldern in Dänemark und erklärte die Bedeutung von Wäldern in vielerlei Hinsicht. Danach wurde fast zwei Stunden lang diskutiert. Die Schüler stellten dem Förster Fragen zu Klimawandel, Plastikproblemen, Erdrutschen, Jagd, Wasser- und Bodenverschmutzung. Torben Ravn beantwortete die Fragen mit Freude und sehr ausführlich. Als Dolmetscher setzte sich Kartlos Manvelidze ein.

Ins Gelände mit dem Dorfförster

Eine Geländeübung mit dem Förster des Dorfes sollte am 29. Oktober stattfinden, allerdings begann es plötzlich stark zu regnen. Die Übung könnte im Gelände nicht durchgeführt werden, darüber hinaus wurde in einem Klassenzimmer ein Seminar veranstaltet. Der Förster erzählte dem Eco-Club von den Aufgaben eines adscharischen Försters, danach erklärte er die Bedeutung von sozialen und sanitären Durchforstungen. Darüber hinaus wurden die aktuellen Waldkrankheiten besprochen. Am Ende gab es Diskussion über Bärenschutz in den naheliegenden Wäldern.

Das Essen, das ursprünglich als Picknick gedacht war, wurde in Klassenzimmer gegessen. An dem Tag wurde ein anderer Termin für die Geländeübung vereinbart.

Die Geländeübung fand am 3. November noch einmal statt. Alles lief nach dem Plan. In einem naheliegenden Wald beschrieb der Eco-Club die Waldbestände. Dabei wurden das GPS Gerät, Kompass und Messgerät für Baumdurchmesser intensiv eingesetzt. GPS Koordinaten und die Meereshöhe der Waldbestände wurden aufgenommen. BHD der Bäume wurden gemessen. Einzelne Baumarten wurden bestimmt und die morphologischen Unterschiede zwischen verschiedenen Nadelbaumarten wurden diskutiert. Am Ende wurden die Schüler auf die Plastikverschmutzung des Waldes aufmerksam gemacht. Leider waren im Übungsgebiet mehrere Plastikflaschen und Plastiktüten zu finden. Darüber hinaus wurde die negative Folge des Plastik auf den Mensch und Ökosysteme diskutiert. Am Ende der dreistündigen Übung gab es Picknick im Freien. Das Essen hatten die Schüler selbst organisiert.

Exkursion in den Machakhela Nationalpark

Die Exkursion fand am 5. November statt. Am Morgen wurde die Gruppe von Maradi Lakobadze und Nana Baujadze begrüßt, den Biodiversitätsexperten des Parks. Im Konferenzraum des Verwaltungsgebäudes präsentierte Nana Baujadze die Artenvielfalt der Adscharischen Wälder und die Bedeutung von Schutzgebieten für den Menschen und die Natur. Im Anschluss an die Präsentation gab es eine Diskussion über bedrohte Arten und deren Erhaltung.

Nach dem Mittagessen in einem lokalen Restaurant gab es eine dreistündige Wanderung durch den Wald des Parks. Unterwegs wurden die Laubbaumarten und Sträucher identifiziert, aber auch Natursehenswürdigkeiten wie die Wasserfälle besucht. Die Exkursion endete mit einer kurzen Diskussion über Ökotourismus, seine Vor- und Nachteile.

Am 10. November traf sich der Eco-Club ein letztes Mal. Die Schüler verfassten einen kurzen Bericht über die durchgeführten Aktivitäten. Nach dem Unterricht wurde andere Schüler eingeladen und der Bericht wurde ihnen präsentiert. Zum Abschluss gab es eine kurze Feierstunde, bei der den Mitgliedern des Eco-Clubs die Urkunden überreicht wurden. Die Urkunden wurden vom Schuldirektor, von Förster Torben Ravn und dem CEO der NGO CEDF, Soso Tedoradze, unterzeichnet.


Ergebnisse des Projekts

1. Die Schule ist mit den neuesten naturkundlichen Büchern und modernen Technologien für die Umweltforschung ausgestattet

  • Schüler haben ausführliche Informationen über die technischen Eigenschaften des Inventars, den Zweck und die Verwendungsregeln
  • Inventar wird für Biologie, Geographie und anderen Umweltunterricht eingesetzt
  • Inventar wird von interessierten Studenten verwendet, um die Umwelt zu erlernen und zu erforschen

2. Erhöhtes Umweltbewusstsein – mindestens 15 Schüler der Schule verfügen über Kenntnisse zu folgenden Themen

  • Methoden der Klimaforschung und das Klima im Dorf
  • Baumarten in den naheliegenden Wäldern des Dorfes
  • Bioökologischer Allgemeinzustand in den naheliegenden Wäldern des Dorfes
  • Morphologische Unterschiede zwischen Nadelbaumarten (Fichte, Tanne, Eibe, Kiefer)
  • Die Bedeutung des sozialen und sanitären Durchforstungen
  • Aufgaben eines Försters in Adscharien
  • Biodiversität und Natursehenswürdigkeiten des Machakhela Nationalparks
  • Arten von Schutzgebieten in Adscharien und ihre soziale, wirtschaftliche und ökologische Bedeutung
  • Lokale und regionale ökologische Probleme, ihre Ursachen und Lösungswege – darunter globale Klimawandel, Umweltverschmutzung, Artensterben, Erosionsprozesse und Waldbrände
  • Prinzipien der Gruppenarbeit

3. Fünfzehn Schüler der Schule haben theoretische und praktische Erfahrungen in der Erforschung und dem Schutz der Umwelt

4. Fünfzehn Schüler der Schule verfügen über Urkunden, die ihnen in der Zukunft die Arbeitssuche im Bereich Umweltschutz erleichtern


Danksagung

Wir – das Team des CEDF, der Schulverwaltung von Ghurta und des Eco-Clubs – danken den Mitgliedern der „Freunde von Georgien in Dänemark“ und der ANW Brandenburg-Berlin für ihre finanzielle Unterstützung. Besonderer Dank geht an Jürgen Rosemund und Torben Ravn.
Das Projekt wurde zu Beginn von Herrn Rosemund initiiert und das Konzept mit uns theoretisch erarbeitet. Zu diesem Zweck hat er sich engagiert, die Spenden zu organisieren. Herr Ravn finanzierte den Großteil des Projekts und war persönlich an der Umsetzung des Projekts beteiligt. Er führte für die Schüler interessante Seminare und Diskussionen zum Thema Wald- und Naturschutz.


Das Wichtigste in Kürze

  • Zeitraum der Durchführung: September 20 – November 11, 2021
  • Ort der Aktivitäten: LEPL Dorfschule von Ghurta  
  • Beteiligte Institutionen: LEPL Dorfschule von Ghurta; Ressourcen Zentrum für Bildung von Khulo Munizipalitt; Forstamt Adschariens; Verwaltung von Machakhela National Park
  • Budget: 1500 Euro
  • Spender-Organisationen: NGO „Freunde von Georgien in Dänemark“ (1033,50 Euro); Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft Brandenburg e. V. (466,50 Euro)
  • Projekt durchgeführt durch NGO „Caucasus Ecological Development Fund“
  • Projekt Koordinator: Kartlos Manvelidze

Mit der Weißtanne in der Streusandbüchse?

Wolf Hockenjos April 2017

Durch lokal überhöhte Wildbestände sind für die artenreiche Verjüngung des Waldes vielfach noch Schutzmaßnahmen erforderlich. Hier sind vor allem die Jäger gefordert. (Aus: Die Mark Brandenburg. Brandenburgs Wälder. Heft 104 – Verl. für Regional- und Zeitgeschichte, 2017.)

Nein, es war kein Aprilscherz: Am 1. April 2017 veranstaltete die ANW Brandenburg in Templin/Uckermark eine Tannentagung. Die Landesgruppe gedachte damit ihren Beitrag zu der 2017 bundesweit ausgerufenen Weißtannen-Offensive zu leisten. Aber Weißtanne in Brandenburg, in „des Heiligen Römischen Reiches Streusandbüchse“? Was mag man sich hier von dieser Baumart versprechen, weit jenseits ihres natürlichen Verbreitungsgebiets, und das auch noch unter dem Vorzeichen des Klimawandels? Die Anreise durch die Schorfheide mit ihren schier endlosen Kiefernbeständen ließ die Skepsis nochmals anwachsen, nicht zuletzt eingedenk des spätestens seit wilhelminischen Zeiten bekanntermaßen exorbitanten Stellenwerts der Jagd und der hierzulande „lokal überhöhten Wildbestände“ – Reichsforst- und Reichsjägermeister Hermann Göring, erst recht Erich Honecker und Erich Mielke lassen grüßen.

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KKEG – Tagung

Am 11.01.2018 fand in Potsdam die Tagung der KKEG zum Thema

„Kleinprivateigentümer verstehen, ansprechen und aktivieren“

statt.

Die Tagung wurde als sehr lehrreich und spannend beurteilt.

Umfangreiche Informationen können unter www.waldbefragung.de
abgerufen werden.