Boden, der stabilere Kohlenstoff-Speicher


Beim ersten Arbeitstreffen des Jahres ging es um Wald und Kohlenstoff. Während in der oberirdischen Biomasse Kohlenstoff nur kurzzeitig gebunden ist, verbleibt er im Boden viel länger – zumindest im pfleglich behandelten Dauerwald


Am 22. April 2023 trafen sich Mitglieder der ANW Brandenburg-Berlin zum ersten Arbeitstreffen des Jahres. Martin Krüger, Revierleiter des Landeswaldreviers Breitefenn, lud ein zum Thema Kohlenstoffspeicherung im Wald. Diskutiert wurde der Sachverhalt vornehmlich anhand Versuchsflächen verschiedener Gastbaumarten, welche sich in zahlreicher Form im Revier finden. Bei der ersten Versuchsfläche handelte es sich um einen Anbau der Großen Küstentanne (Abies grandis). Diese Fläche wird, wie viele andere Flächen im Land, fachlich vom Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE) betreut.

Die Exkursion wurde dankenswerter Weise von Frau Dr. Ulrike Hagemann als Leiterin des Landeskompetenzzentrums Forst Eberswalde (LFE) unterstützt. Beim Begang der Versuchsfläche wurde rasch die Methodik hinter Versuchsflächen diskutiert. Dem Teilnehmerkreis erscheint es wichtig, das Wachstum in Mischbeständen und in einer differenzierten Struktur zu betrachten, statt die Bestände weiterhin als Altersklassen-Reinbestand zu behandeln. Viele wünschten sich beispielsweise künftige Versuche zu Z-Baum-orientierten Durchforstungen. 

 Diskussion in einer Küstentannen-Versuchsfläche des Landeskompetenzzentrums Forst Eberswalde

Zu Beginn der Diskussion war eine Einführung zu allgemeinen Begrifflichkeiten notwendig. Frau Dr. Hagemann grenzte für die Teilnehmenden den Begriff des Kohlenstoffspeichers von dem der Kohlenstoffbindung ab. Der Kohlenstoffspeicher beschreibt somit das zum Zeitpunkt der Betrachtung gespeicherte CO2 in der oberirdischen wie unterirdischen Biomasse. Gleich zu Beginn wurde herausgearbeitet, dass die Böden mindestens die gleiche Menge, eher aber die 1,5-fache Menge an CO2 speichern.

Der bedeutende Unterschied liegt in der Fluktuation. Somit wurde den Teilnehmenden bewusst, dass unsere Böden sehr stabile CO2-Speicherorte sind, während oberirdische Biomasse im Vergleich dazu einen flüchtigen Pool darstellt. Um den Kohlenstoffspeicher des Bodens zu erhalten, ist neben dem pfleglichen Einsatz von Technik und dem Verzicht auf Bodenbearbeitung das wichtigste Mittel der Erhalt des darauf stockenden Waldes. Den Frühjahrsstürmen 2022 fielen auch einige der Großen Küstentannen zum Opfer. Anhand der Blößen zeigte sich gut: tritt Licht und Wärme auf den Oberboden, setzt sich der dort gespeicherte Kohlenstoff massiv um. Frau Dr. Hagemann rief den Teilnehmern ins Bewusstsein, dass der Boden 30 bis gar 100 Jahre benötigt, um sich von einer Kahlflächen-Situation wieder zu erholen. Diese Erkenntnis zeigt die große Verantwortung einschichtige, wenig gemischte Altersklassen-Wälder umzubauen und bereits entstandene Freiflächen schnellstmöglich wieder in Bestockung zu bringen. 

Die Bindung von Kohlenstoff beschreibt das Delta aus Zu- und Abfluss. Die Bindung von Kohlenstoff ist am höchsten, wenn der Zuwachs am höchsten ist. Unter den Teilnehmern wurden rege Möglichkeiten diskutiert, um bei optimalem Zuwachs alle anderen wichtigen Waldfunktionen zu erhalten und dies auch noch unter der Prämisse des Bodenschutzes. Die Vorratshöhen des Dauerwaldes wurden auch unter Beteiligung von Mischbaumarten wie der Küstentanne abgewogen. Als Faustregel erscheint die Gleichung Endbaumhöhe x 10 als Zeiger für einen ausgewogenen Vorrat. 

Am ersten Exkursionspunkt zogen die Teilnehmer das Fazit, dass mit Gastbaumarten wie der Küstentanne bei hohen Zuwächsen viele Varianten der Bewirtschaftung offen sind. So lässt sich die Baumart aufgrund ihrer guten natürlichen Selbstdifferenzierung und ihrer Halbschatten-Toleranz auch im Plenterwald bewirtschaften. Der Boden als bedeutender Kohlenstoffspeicher wurde in den Fokus gerückt und der Dauerwald als vielversprechende Bewirtschaftungsform, da er viele Funktionen vereint und den Boden dauerhaft kühl und feucht hält. Die Ansprüche aus Sicht des Klimaschutzes an den Waldbestand sind hohe Stabilität bei optimalem Zuwachs. Neben der Zustandserhaltung sollten Bemühungen zur Wiedervernässung betrieben werden, um labile Bodentypen wieder zu begünstigen und von der weiteren Freisetzung von CO2 zu hindern. 

Der zweite Exkursionspunkt zeigte eine Versuchsfläche des Großen Lebensbaumes (Thuja plicata), umgangssprachlich oft „Thuja“ genannt. Das leichte Holz ist besonders dauerhaft und eignet sich somit für den Außenbereich. Ein besonderes Nischenprodukt stellen Räucherbretter dar. Der Lebensbaum startet mit einem langsamen Jugendwachstum. Jedoch zeigen sich auf der präsentierten Versuchsfläche bereits im Alter 60 knapp 90 Prozent der Bäume stockfaul. Die Art verjüngt sich üppig.

Der dritte Exkursionspunkt führte den Teilnehmerkreis in ein zweischichtiges Buchen-Altholz. Es ergab sich rasch eine Diskussion über das künftige Vorgehen in der Buche. Es wurde deutlich, dass stets ein Abwägen zwischen Artenschutz und Bewirtschaftung stattfinden muss. Außerdem muss sich der Bewirtschaftende oft entscheiden, biologische Automatismen ablaufen zu lassen oder diese zu unterbrechen, um beispielsweise Mischbaumarten herauszupflegen. 

Bodenprofil am dritten Exkursionspunkt 

Zahlreiche Altbuchen waren sichtbar von der Trockenheit der vergangenen Jahre gezeichnet. Viele Teilnehmer beobachten in ihren Forstbetrieben den „Fluch der guten Standorte“. Die Vermutung ist, dass Buchen auf guten lehmigen Standorten in Trockenjahren besonders zeichnen. 

Einen runden Abschluss fand die Wanderung schließlich mit einem gemeinsamen Imbiss am Großen Lindsee 

Text: Patricia Stichling
Fotos: Philipp Kunze